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DemenzDer deutlich steigende Anteil pflegebedürftiger Menschen im neunten Lebensjahrzehnt ist auch auf die zunehmende Anzahl demenzkranker Menschen zurückzuführen. Die Häufigkeit schwerer und mäßig schwerer Demenzen nimmt mit steigendem Alter erheblich zu: Bei den 70- bis 74-Jährigen liegt sie bei nahezu 0 Prozent, bei den 80- bis 84-Jährigen bei 11 Prozent, bei den 90-bis 94-Jährigen bei 31 Prozent. Die beiden häufigsten Formen der Demenz sind die primäre Demenz vom Alzheimer-Typ mit einem fortschreitenden, irreversiblen Verlauf und die vaskuläre, auf Erkrankungen der Hirngefäße zurückgehende Demenz. Die Tatsache, dass Demenzen bei Menschen über 65 Jahren mit einer Häufigkeit von knapp 5 Prozent, hingegen bei Menschen über 90 Jahren mit einer Häufigkeit von knapp 50 Prozent auftreten, hat die Frage angestoßen, ob es sich bei der senilen Demenz (Demenz vom Alzheimer-Typ) um eine alternsassoziierte Veränderung oder aber um eine altersassoziierte Erkrankung handelt. Nach heutigem Kenntnisstand kann nicht eindeutig bestimmt werden, ob Alternsprozesse an der Entwicklung der senilen Demenz beteiligt sind (alternsassoziierte Veränderung), oder ob diese Erkrankung erst deshalb im Alter auftritt, weil der womöglich sehr langsam fortschreitende Krankheitsprozess jahrzehntelang unterhalb der Schwelle der klinischen Manifestation verläuft (siehe ausführlich dazu Beyreuther 1997; Förstl, Lauter & Bickel 2000; Helmchen & Kanowski 2000; Helmchen et al. 1996). Die Kommission unterstreicht die in der Gerontopsychiatrie wiederholt getroffene Aussage, dass der weit verbreitete diagnostische und therapeutische Nihilismus dringend abgebaut werden muss. Heute ist bei der senilen Demenz zwar nur eine symptomatologische Behandlung und eine aktivierende, pflegerische Betreuung möglich. Doch ist die Tatsache, dass durch medikamentöse Therapie, durch gute Betreuung, durch Tagesstrukturierung, durch kognitives Training sowie durch eine anregende und orientierungsfördernde Umwelt psychische Krankheitssymptome gelindert und kognitive Leistungen gefördert werden können, von sehr großer Bedeutung für den Patienten selbst, für seine Angehörigen sowie für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Pflegeteams. Darüber hinaus kann davon ausgegangen werden, dass die molekularbiologisch erforschten, zur Demenz führenden Krankheitsprozesse Behandlungswege eröffnen werden, die über die genannte symptomatische Behandlung und pflegerische Betreuung hinaus die Krankheitsprozesse direkt und damit ursächlich angreifen. Die Kenntnisse jener pathogenetischen Prozesse, die zum Nervenzelluntergang führen, lässt erhebliche Fortschritte auf dem Wege von einer symptomatischen zu einer kausalen Arzneimittelbehandlung erwarten. Masters und Beyreuther (1998) gehen davon aus, dass in diesem Jahrzehnt folgende Möglichkeiten zur Bekämpfung der Alzheimer-Demenz entwickelt werden können: (1.)Untersuchungen der genetischen Information (DNA) mit dem Ziel, die Disposition zu Risikoprofilen für die Alzheimer-Demenz zu erkennen; (2.) Erstellung einer Diagnose bereits vor Auftreten der ersten eindeutigen Demenzsymptome; (3.) gezielte präventive Therapie; (4.) Entwicklung von Medikamenten, die den Verlauf der Erkrankung beeinflussen, (5.) Kenntnisse hinsichtlich der Merkmale des Lebensstils und der Umwelt, die Risikofaktoren für die senile Alzheimer-Demenz darstellen. In diesem thematischen Zusammenhang ist auch zu berücksichtigen, dass "Demenz" einen Oberbegriff für eine Vielzahl von Demenzformen darstellt, die sich in ihren Ursachen, in ihrem Verlauf und in ihrer therapeutischen Beeinflussbarkeit zum Teil deutlich voneinander unterscheiden. Aus diesem Grunde ist die Notwendigkeit zu betonen, auch in der öffentlichen Diskussion eine differenzierte Darstellung des Themengebietes "Demenz" zu leisten. Die Kommission weist bereits an dieser Stelle auf die Notwendigkeit hin, in Zukunft vermehrt Rehabilitationsangebote für demenzkranke Menschen zu schaffen und zugleich die Leitbilder einer aktivierenden Pflege auch auf die Versorgung demenzkranker Menschen zu übertragen. |
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Zur TerminologieEpidemiologische Befunde und Fragen der Diagnostik und Behandlung |
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