Alltagspraktische Kompetenz

Download Altenbericht

Unter alltagspraktischer Kompetenz werden jene Fähigkeiten und Fertigkeiten verstanden, die für die Gestaltung des Alltags und für die Bewältigung einzelner Anforderungen im Alltag bedeutsam sind. Diese Fähigkeiten und Fertigkeiten lassen sich unterteilen in die basale und die erweiterte Kompetenz. Diese beiden Kompetenzbereiche spiegeln sich in der Ausführung von Aktivitäten des täglichen Lebens wider; aus diesem Grunde bilden diese Aktivitäten auch die Grundlage für die Definition der basalen und erweiterten Kompetenz. Basale Kompetenz setzt sich aus Selbstpflegeaktivitäten und einfachen instrumentellen Aktivitäten (zum Beispiel Einkaufen oder Transportmittel nutzen) zusammen, erweiterte Kompetenz hingegen aus komplexen instrumentellen Aktivitäten (zum Beispiel Hausarbeit, Handwerken), aus sozialen Aktivitäten (Besuche machen, Besuche empfangen) und aus Freizeitaktivitäten (zum Beispiel Ausflüge machen, Sport treiben, ehrenamtlichen Tätigkeiten nachgehen, Theater oder Kino besuchen). Wie Ergebnisse der Berliner Altersstudie (Mayer & Baltes 1996) zeigen, beeinflusst die körperliche und psychische Gesundheit sowohl die basale wie auch die erweiterte Kompetenz; letztere weist zudem enge Zusammenhänge mit dem sozioökonomischen Status, mit Persönlichkeitseigenschaften (hier sind vor allem Extraversion und Offenheit für neue Erfahrungen zu nennen) sowie mit Gedächtnis- und Denkleistungen auf (siehe ausführlich dazu Baltes et al. 1998). Basale und erweiterte Kompetenz sind als bedeutsame Ressourcen für ein selbstständiges und selbstverantwortliches Leben im Alter zu werten. Zunächst ist hervorzuheben, dass sie eine gewisse Unabhängigkeit von der Hilfe anderer Menschen sowie ein hohes Maß an Selbstbestimmung in der Alltagsgestaltung ermöglichen. Darüber hinaus trägt die erweiterte Kompetenz (wenn man unter dieser auch jene Fähigkeiten und Fertigkeiten subsumiert,die zur Ausübung von Freizeitaktivitäten, das heißt von Interessen notwendig sind) zur Verwirklichung des Bedürfnisses nach einer persönlich sinnerfüllten und kreativen Lebensgestaltung bei und vermittelt die Erfahrung, Aufgaben und Anforderungen des Lebens meistern zu können (Schwarzer & Knoll 1999).

Die Diskussion der basalen und erweiterten Kompetenz führt auch zur Bedeutung der räumlichen Umwelt, insbesondere zur Wohnung, zur Wohnumwelt und zur Verkehrsgestaltung (s. Kapitel 7). Die Aufrechterhaltung eines selbstständigen und selbstverantwortlichen Lebens ist nicht allein von den individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten abhängig, sondern auch von der Passung zwischen den Fähigkeiten und Fertigkeiten der Person einerseits und den Anforderungen, Anregungen und Hilfen ihrer räumlichen Umwelt andererseits. Damit wird deutlich, dass auch die räumliche Umwelt – ebenso wie andere Merkmale der Lebenslage – eine Ressource für die selbstständige und selbstverantwortliche Lebensführung darstellt. Dabei beschränkt sich allerdings die Bedeutung der räumlichen Umwelt nicht auf ihre unterstützende (prothetische) und ausgleichende (kompensatorische) Funktion. Genauso wichtig ist ihre stimulierende Funktion, die zum einen im Sinne der Anregung von Sinnes- und Denkfunktionen zu verstehen ist (hier kommt der Ausstattung der Wohnung große Bedeutung zu), zum anderen im Sinne bestehender Möglichkeiten zur selbstbestimmten Gestaltung der Wohnung.

Die Kommission hebt hervor, dass die Lebensphase Alter nicht allein unter dem Aspekt der Erhaltung oder Wiedererlangung von Selbstständigkeit (im Sinne relativer Unabhängigkeit von der Hilfe anderer Menschen) betrachtet werden darf, wie dies in der öffentlichen Diskussion nicht selten geschieht, sondern auch unter dem Aspekt der Erhaltung und Wiedererlangung jener Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Ressourcen für die selbstverantwortliche Lebensgestaltung bilden. Darüber hinaus bildet die alltagspraktische Kompetenz eine Grundlage für die Wahrnehmung ehrenamtlicher Tätigkeiten im Alter. Jene gesellschaftlichen und politischen Initiativen, die darauf zielen, geeignete infrastrukturelle Bedingungen (wie zum Beispiel soziokulturelle Einrichtungen und Bildungsangebote) für die Nutzung und Erweiterung alltagspraktischer Kompetenz zu schaffen, werden von der Kommission ausdrücklich begrüßt.

 
link Gerontologie

Körperliche Kompetenz

Pflegebedürftigkeit

Demenz

Alltagspraktische Kompetenz

Psychische Kompetenz

Kognitive Kompetenz