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Psychische KompetenzUnter psychischer Kompetenz versteht die Kommission die Ressourcen des Menschen für die Bewältigung der Entwicklungsaufgaben des Alters sowie der Anforderungen und Belastungen im Alter. Es wurde bereits hervorgehoben, dass zu den Entwicklungsaufgaben des Alters vor allem die – nach dem Ausscheiden aus dem Beruf notwendig werdende – Neuorientierung des Menschen bei der Gestaltung des Alltags sowie bei der Ausübung von sozialen Rollen gehören. Die Bewältigung dieser Aufgabe ist zum einen vom Spektrum außerberuflicher Interessen und Rollenaktivitäten beeinflusst, die in früheren Lebensaltern entwickelt wurden, zum anderen von der Ausprägung der Berufsorientierung und der Altersorientierung (im Sinne von Freiheiten im Alter). Ein breiteres Spektrum außerberuflicher Interessen und Rollenaktivitäten sowie die gedankliche Vorwegnahme möglicher Freiheiten im Alter wirken sich günstig auf die Bewältigung des Berufsaustritts und der damit verbundenen psychischen Anforderungen aus. Neben den Entwicklungsaufgaben sind Grenzsituationen des Alters zu nennen, zu denen – wie ebenfalls schon dargestellt wurde – chronische Erkrankungen, verringerte Funktionstüchtigkeit der sensorischen Organe, eingeschränkte Mobilität, der Verlust nahe stehender Menschen sowie die Erfahrung der begrenzten Lebenszeit gehören. Bei einem Teil der älteren Menschen treten als weitere Einschränkung niedrige materielle Ressourcen hinzu. Darüber hinaus gibt es spezifische Lebenssituationen, durch die das Ausmaß psychischer Belastungen erkennbar erhöht wird – zu nennen ist hier vor allem die Versorgung und Betreuung eines pflegebedürftigen Menschen, die in mehr als 80 Prozent aller Fälle von Familienangehörigen übernommen wird (vgl. Kapitel 6.2.1.2). Die Kommission hebt zunächst hervor, dass das Alter nicht einseitig aus der Perspektive der Belastungen betrachtet werden darf – genauso bedeutsam sind die im Alter bestehenden Möglichkeiten einer selbstverantwortlichen und sinnerfüllten Lebensgestaltung. Die Kommission betont weiterhin die großen Unterschiede zwischen Personen des selben Alters im Umfang sowie in der Art bestehender Belastungen. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass objektiv vergleichbare Belastungen subjektiv verschiedenartig gedeutet werden. Andererseits dürfen die möglichen Risiken des Alters und die mit ihnen verbundenen psychischen Belastungen nicht übersehen werden. Wie bereits hervorgehoben wurde, treten gesundheitliche Einbußen und soziale Verluste vor allem ab dem neunten Lebensjahrzehnt auf und werden dabei von vielen Menschen als spürbare Belastung erfahren. Darüber hinaus ist der Anteil jener Menschen, die nur über ein (sehr) geringes Einkommen verfügen, im achten und neunten Lebensjahrzehnt erkennbar höher als im siebten Lebensjahrzehnt; dieser Unterschied ist vor allem auf den zunehmenden Anteil verwitweter Frauen und kohortenspezifische Unterschiede zurückzuführen. >Trotz zunehmender Bedeutung gesundheitlicher Einbußen, sozialer Verluste und begrenzter Lebenszeit ist in der Gesamtgruppe der älteren Menschen (definiert als Gruppe der 65- Jährigen und Älteren) die Lebenszufriedenheit nicht geringer und das Ausmaß erlebter Belastungen und depressiver Störungen nicht höher als in jüngeren Altersgruppen. Diese fehlenden Unterschiede werden auf psychische Anpassungsprozesse älterer Menschen zurückgeführt. Diese Anpassungsprozesse zeigen sich zum einen darin, dass die eigene Lebenssituation mit jener anderer Menschen verglichen wird, bei denen ein noch höheres Maß an Belastungen vorliegt, oder dass die gegenwärtige Situation vor dem Hintergrund einzelner Abschnitte der Biografie gedeutet wird, in denen es einem schlechter gegangen ist als heute. Zum anderen kommen diese Anpassungsprozesse in der Aufgabe nicht mehr erreichbarer Ziele und in der vermehrten Konzentration auf Pläne und Vorhaben, deren Verwirklichung aus der Perspektive der aktuellen Lebenssituation als realistisch erscheint, zum Ausdruck. Es ist zu beachten, dass sich in der Art und Weise, wie ältere Menschen versuchen, Grenzsituationen zu verarbeiten und in diesen Grenzsituationen eine tragfähige Lebens- und Zukunftsperspektive aufrechtzuerhalten, vielfach auch Lebenswissen widerspiegelt (ausführlich dazu Smith & Baltes 1990). Es ist weiterhin zu beachten, wie dieses Wissen in den Dialog zwischen den Generationen eingebracht werden und jüngeren Generationen Anstöße zur Reflexion über Möglichkeiten und Grenzen der menschlichen Existenz geben kann. Diese Diskussion ist wichtig, da sie vor Augen führt, dass sich die Bedeutung des Wissens älterer Menschen für nachfolgende Generationen nicht in Anregungen für den Beruf oder für die Ausübung außerberuflicher Interessen erschöpft, sondern dass es auch Anstöße zur Reflexion über Möglichkeiten und Grenzen des menschlichen Lebens geben kann (diese Frage wird ausführlich von Kruse 1990, Rosenmayr 1990 und Staudinger 1996 diskutiert). Die Feststellung, dass es vielen älteren Menschen gelingt, Anforderungen und Belastungen zu bewältigen, und dass auch im Alter die psychische Widerstandsfähigkeit erhalten bleibt, darf nicht über die erhöhte Verletzbarkeit hinweg täuschen, die mit den Grenzsituationen im Alter verbunden ist. Erhöhte Verletzbarkeit bedeutet nicht, dass in den Grenzsituationen psychische Symptome (als Ausdruck verringerter psychischer Stabilität) auftreten müssen. Sie beschreibt zunächst nur die deutlich erhöhten Belastungen, mit denen Menschen konfrontiert werden, und die damit verbundene Gefahr, dass sich nun eher psychische Symptome ausbilden. Die deutlich erhöhten Belastungen stellen höhere Anforderungen an die Bewältigungsressourcen des Menschen. In diesen Situationen ist einerseits die psychische Widerstandsfähigkeit erkennbar, andererseits zeigen sich gerade hier auch die Grenzen der Widerstandsfähigkeit. Um ein Beispiel zu geben: Es gelingt zwar einem Teil der pflegebedürftigen Menschen, die mit Pflegebedürftigkeit verbundenen Einschränkungen und Belastungen zu verarbeiten – trotz der erfahrenen Grenzen bleibt die psychische Widerstandsfähigkeit erhalten. Doch zeigt sich auch, dass der deutlich größere Teil pflegebedürftiger Menschen psychische Symptome (vor allem erhöhte Depressivität, verringerte Lebenszufriedenheit, pessimistische Lebenseinstellung) aufweist, die auf ein gestörtes psychisches Gleichgewicht deuten. Pflegebedürftigkeit ist somit als eine Situation zu verstehen, in der die Verletzbarkeit des Menschen besonders stark ausgeprägt ist, da sie auch an die Grenzen der Widerstandsfähigkeit führt. Psychoreaktive Störungen Diese Aussagen zu den Grenzen der psychischen Widerstandsfähigkeit weisen auf das Risiko psychoreaktiver Störungen hin. Bei 10 Prozent der 65-jährigen und älteren Menschen liegen schwere Depressionen ("majore Depressionen") vor, bei weiteren 15 Prozent "unterschwellige"oder "leichte" depressive Störungen ("Dysthymien"), die allerdings vielfach mit hohem Leidensdruck, Rückzug von anderen Menschen und Antriebsschwäche verbunden sind und zudem die Therapie und Rehabilitation erkennbar erschweren können. Der größere Teil der Dysthymien ist im hohen Alter erkennbar. Sie finden sich häufig bei somatischer Multimorbidität und Pflegebedürftigkeit und tragen zu einer Zunahme der Symptome bei; in diesem Zusammenhang sind vor allem chronische Schmerzzustände zu nennen, die oftmals auch eine psychogene Komponente aufweisen (siehe ausführlich dazu Helmchen & Kanowski 2000; Heuft, Kruse & Radebold 2000). Das im Alter deutlich ansteigende Suizidrisiko ist vor allem auf das gehäufte Auftreten von Situationen in dieser Lebensphase zurückzuführen, die die Bewältigungsressourcen des Menschen überfordern. Die bedeutsamsten Ursachen für einen Suizidversuch oder Suizid im Alter sind – neben Depressionen – unheilbare Erkrankungen, vor allem jene, die mit starken chronischen Schmerzen verbunden sind, der Verlust nahe stehender Menschen, Isolation und erlebte Einsamkeit. Das Suizidrisiko steigt vor allem im hohen Alter an; es ist zudem bei Männern stärker ausgeprägt als bei Frauen. Dies zeigen folgende Zahlen: In der Altersgruppe der 60- bis 70-Jährigen kommen bei Frauen 15 Selbstmorde auf 100.000 Einwohner, bei Männern 25. In der Altersgruppe der 70-bis 80-Jährigen kommen bei Frauen 25 Selbstmorde auf 100.000 Einwohner, bei Männern 70 (siehe ausführlich dazu Erlemeier 1998). Obwohl die psychotherapeutischen Behandlungsansätze mit Erfolg bei älteren Menschen angewendet werden können, sind diese in der psychotherapeutischen Versorgung deutlich unterrepräsentiert. Der Anteil 65-jähriger und älterer Menschen an der Gesamtgruppe der ambulant betreuten Patienten liegt lediglich bei 0,5 Prozent. |
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Körperliche KompetenzPflegebedürftigkeitDemenzAlltagspraktische KompetenzPsychische KompetenzKognitive Kompetenz |
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