Werden die Ressourcen des Alters als gesellschaftliches Potenzial erkannt?

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In einer neueren, im gesamten Bundesgebiet durchgeführten Untersuchung zum Thema "Bilder des Alter(n)s und Sozialstruktur" (ausführlich dazu Rudinger, Kruse & Schmitt 2000) wurde der Frage, inwieweit die zunehmende Anzahl älterer Menschen als eine Belastung für unsere Gesellschaft interpretiert wird und inwiefern das Verhältnis zwischen der jüngeren und älteren Generation durch Verteilungskonflikte zu charakterisieren ist, besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Einer auf der Grundlage von sechs Schichtungsmerkmalen (Alter, Geschlecht, Erwerbstätigkeitsstatus, alte versus neue Bundesländer, Stadt versus Land, Regionen mit hoher versus niedriger Arbeitslosenquote) zusammengestellten Stichprobe von 1.275 Untersuchungsteilnehmern im mittleren und höheren Erwachsenenalter (Altersspanne 45 bis 75 Jahre) wurde eine Reihe von Aussagen zur Beurteilung vorgelegt, in denen potenzielle Generationenkonflikte (im Sinne von Verteilungskonflikten) angesprochen werden: So wurde in diesen Aussagen unter anderem für eine "Kürzung der von der Gesellschaft für ältere Menschen zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel", für eine "Priorität der Bedürfnisse jüngerer Menschen im Gesundheitssystem", für ein "vorzeitiges Ausscheiden älterer Menschen aus dem Berufsleben in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit" oder gegen eine "zu hohe Verantwortung jüngerer Menschen für die Pflege Älterer" plädiert. Über alle betrachteten Altersgruppen hinweg wurden die in unserer Gesellschaft für ältere Menschen erbrachten Leistungen positiv bewertet und der mit dem demographischen Wandel verbundene Anstieg der Kosten sozialer Sicherungssysteme akzeptiert. Eine bevorzugte Behandlung der Bedürfnisse jüngerer Menschen wurde dagegen eindeutig abgelehnt. Die Ergebnisse der Untersuchung sprechen also dafür, dass die mittlere und die ältere Generation dem "Generationenvertrag" nach wie vor Bedeutung beimessen. Da in dieser Untersuchung die junge Generation nicht befragt wurde, lassen sich aus ihr allerdings keine Aussagen darüber treffen, wie diese den "Generationenvertrag"interpretiert.

Weitere Ergebnisse der Untersuchung belegen, dass dem Alter eines Menschen nur ein sehr niedriger Stellenwert für die Wahrnehmung und Gestaltung sozialer Beziehungen beigemessen wird (diese Tendenz war unter jüngeren Untersuchungsteilnehmern ausgeprägter) und die Wahrnehmung von Risiken und Entwicklungsverlusten im Alter von der Wahrnehmung von Chancen und Entwicklungsgewinnen in diesem Lebensabschnitt weitgehend unabhängig ist. Auf der Skala zur Messung der Wahrnehmung von Entwicklungsverlusten lagen die Werte für alle Altersgruppen im mittleren Bereich, was darauf hindeutet, dass altersgebundene Verluste durchaus wahrgenommen werden, das Alter aber keinesfalls im Sinne eines schicksalshaft verlaufenden, generellen Abbauprozesses gedeutet wird. Im Vergleich zu Aussagen, in denen Entwicklungsverluste festgestellt werden, erhielten Aussagen, die sich auf mit dem Alter verbundene Chancen und Entwicklungsgewinne beziehen, deutlich mehr Zustimmung. Weiteren Aufschluss bezüglich der Frage, inwieweit die Ressourcen des Alters als gesellschaftliches Potenzial erkannt werden, geben Befunde der Untersuchung zur Wahrnehmung persönlicher Potenziale und Barrieren eines mitverantwortlichen Lebens. Hier zeigte sich, dass sich die einzelnen Altersgruppen in ihrer Motivation, sich für andere zu engagieren und gesellschaftlich nützliche Aufgaben wahrzunehmen, nicht unterscheiden. Innerhalb der untersuchten Altersspanne von 45 bis 75 Jahren fanden sich dagegen statistisch bedeutsame Unterschiede in der Wahrnehmung von Barrieren eines Engagements für andere Menschen: In den höchsten Altersgruppen wurden mehr Barrieren wahrgenommen, wobei dieser Unterschied nicht allein auf eine Zunahme von subjektiv erlebten Leistungseinbußen im eigenen Alternsprozess zurückgeht, sondern zum Teil auch auf den Eindruck, einem Engagement für andere werde auch (jedoch nicht überwiegend) mit Skepsis begegnet. Insgesamt zeigen die Ergebnisse der Untersuchung "Bilder des Alter(n)s und Sozialstruktur" damit, dass die Potenziale älterer Menschen in unserer Gesellschaft im Allgemeinen durchaus wahrgenommen werden, dass die Bereitschaft, gesellschaftlich bedeutsame Rollen und Funktionen für ein Engagement älterer Menschen zur Verfügung zu stellen, deshalb aber noch nicht uneingeschränkt gegeben ist (s. auch Kapitel 2).


 
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Werden die Ressourcen des Alters als gesellschaftliches Potenzial erkannt?

Das Engagement älterer Menschen in sozialen Beziehungen

Die Übernahme freiwilliger und ehrenamtlicher Tätigkeiten