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Das Engagement älterer Menschen in sozialen BeziehungenFür die Bundesrepublik Deutschland liegen inzwischen mehrere empirische Studien vor, die Aussagen über die Leistungen, die ältere Menschen in sozialen Beziehungen erbringen, zulassen. Zu nennen sind hier insbesondere die Berliner Altersstudie, die Zeitbudgetstudie des Statistischen Bundesamtes, der Alters-Survey sowie eine in fünf Nationen (USA, Kanada, Großbritannien, Bundesrepublik und Japan) durchgeführte repräsentative Befragung der älteren Bevölkerung (ab 65 Jahren) in Privathaushalten zu nachberuflichen Tätigkeitsfeldern. Diese Studien sprechen dafür, dass sich ältere Menschen in Beziehungen zur eigenen wie zur jüngeren Generation engagieren; zudem sind sie durchaus in der Lage, in diesen Beziehungen ein Gleichgewicht zwischen erbrachten und in Anspruch genommenen Leistungen aufrecht zu erhalten. Als Beispiel seien hier die finanzielle Unterstützung von Angehörigen und die Betreuung von Enkelkindern angeführt, die der jüngeren Generation häufig erst die Möglichkeiten zu einer Sicherung des erreichten Lebensstandards durch kontinuierliche Erwerbstätigkeit eröffnen. Andererseits ist festzustellen, dass die Anzahl von Bezugspersonen mit zunehmendem Alter zurückgeht und – insbesondere für geschiedene und verwitwete Menschen – das Risiko einer sozialen Isolation, die auch subjektiv als Einsamkeit erlebt wird, erkennbar zunimmt. Zwar ist es nicht zulässig, aus der Anzahl von Bezugspersonen auf das subjektive Erleben von Einsamkeit zu schließen, zumal die mit dem Alternsprozess einhergehende Verkleinerung sozialer Netzwerke auch im Sinne einer zunehmenden Konzentration auf persönlich bedeutsame Beziehungen zu werten ist. Dennoch tragen Einbußen in der Selbstständigkeit ebenso wie der Tod persönlich nahe stehender Personen häufig zu einer nicht kompensierbaren Verminderung der sozialen Integration bei. Auch wenn Menschen bis ins sehr hohe Alter von ihren Bezugspersonen nicht nur Hilfe erhalten, sondern auch selbst Hilfe leisten, ist dennoch nicht zu übersehen, dass die Aufrechterhaltung eines (subjektiven) Gleichgewichts zwischen in Anspruch genommener und anderen gewährter Hilfe angesichts nicht zu leugnender altersgebundener Entwicklungsverluste mit zunehmendem Alter schwerer wird. Intergenerationelle Beziehungen lassen sich aus der Sicht der Kommission als soziale Austauschprozesse interpretieren, in die sowohl die Angehörigen der jüngeren als auch jene der älteren Generation investieren sowie Kompetenzen einbringen, und aus denen alle Beteiligten zumindest potenziell Nutzen ziehen können. Von den Untersuchungsteilnehmern der Berliner Altersstudie (Wagner et al. 1996) gaben 22 Prozent an, Netzwerkpartner instrumentell zu unterstützen – das heißt, diesen bei der Erreichung persönlich bedeutsamer Zielsetzungen, bei der Ausübung von Aktivitäten des täglichen Lebens und bei der Verwirklichung von Plänen und Vorhaben behilflich zu sein. 55 Prozent gaben an, Netzwerkpartner emotional zu unterstützen – das heißt, diesen bei der Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung einer tragfähigen Lebensperspektive sowie bei der Verarbeitung von Problemen und Verlusten behilflich zu sein. 14 Prozent berichteten von beiden Arten sozialer Unterstützungsleistungen für andere Menschen. Auch wenn mit steigendem Alter die Möglichkeiten, andere Menschen zu unterstützen, und der Kreis unterstützter Personen abnehmen - vor allem Hilfen, die körperlichen Einsatz erfordern, können zunehmend weniger geleistet werden -, bildet die für andere Menschen geleistete Unterstützung selbst in der Gruppe der Hochbetagten ein bedeutsames Merkmal der sozialen Beziehungen. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch die Zeitbudgetstudie des Statistischen Bundesamtes (s. Borchers 1997). Dieser Studie zufolge leistete unter den über 60- Jährigen noch immerhin etwa ein Viertel Netzwerkhilfe für andere Personen. Von den im Alters-Survey befragten 70- bis 85-Jährigen berichteten noch jeder fünfte Mann und jede sechste Frau, in den letzten 12 Monaten instrumentelle Hilfen für Personen, die nicht dem eigenen Haushalt angehören, geleistet zu haben (Kohli & Kühnemund 1999; näheres hierzu in Kapitel 6). Eine besondere Form sozialer Unterstützung, die in früheren Lebensabschnitten häufig schon aus zeitlichen Gründen nicht erbracht werden kann, bildet die Enkelbetreuung. Nach Ausscheiden aus dem Berufsleben wird die zusätzlich zur Verfügung stehende freie Zeit häufig für die Übernahme von Betreuungs- und Erziehungsaufgaben genutzt, die Angehörige jüngerer Generationen nicht nur entlastet, sondern häufig auch eine entscheidende Voraussetzung für deren Berufstätigkeit darstellt. Nach den Ergebnissen der Zeitbudgetstudie beaufsichtigt etwa ein Fünftel der über 60-jährigen Menschen die Kinder von Verwandten, darüber hinaus werden - wenn auch in deutlich geringerem Ausmaß - Kinder von Nachbarn, Freunden und Bekannten betreut. Der hohe zeitliche Aufwand für diese Unterstützungsleistung wurde von den befragten älteren Menschen in aller Regel nicht als "belastend" empfunden, vielmehr stand die positiv bewertete Erfahrung, von anderen Menschen gebraucht zu werden und eine sinnvolle Aufgabe zu haben, im Vordergrund. Eine zweite wichtige Form sozialer Unterstützungsleistungen durch ältere Menschen besteht in Hilfeleistungen für Personen, die selbst bereits das Rentenalter erreicht haben. Nach einer Studie des Instituts für Entwicklungsplanung und Strukturforschung in Hannover zu Hilfeleistungen in ländlichen Regionen (siehe dazu Schubert 1992) findet sich diese Form sozialer Unterstützung bei etwa 20 Prozent der über 50-Jährigen und bleibt bis ins sehr hohe Alter in nennenswertem Maße erhalten: Der Anteil der Helfenden lag in der Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen bei 17,6 Prozent, bei den 80-Jährigen und älteren immerhin noch bei 10,9 Prozent. Interessanterweise konzentrieren sich "intragenerationelle Unterstützungsleistungen" mit zunehmendem Alter weniger auf Beziehungen innerhalb der eigenen Verwandtschaft. Der durch Mobilitätseinschränkungen reduzierte "räumliche Aktionsradius" führt zu einer Einschränkung verwandtschaftlicher Beziehungen, was dazu führt, dass wiederum nachbarschaftliche Beziehungen an Bedeutung gewinnen und Unterstützungsleistungen innerhalb der Nachbarschaft bereitwilliger erbracht werden. In ihrer Bedeutung nicht zu übersehen ist eine dritte Form sozialer Unterstützung durch ältere Menschen: finanzielle Transferleistungen. Den Ergebnissen der Berliner Altersstudie zufolge hat fast jeder Dritte der über 70-Jährigen mit Kindern diese in den letzten 12 Monaten finanziell unterstützt. Hier handelt es sich vielfach um substanzielle Unterstützungsleistungen: der durchschnittliche finanzielle Transfer zu den Nachkommen bezifferte sich auf ca. 7000 DM in den letzten 12 Monaten (siehe dazu Wagner et al. 1996). In der für die 40- bis 85-Jährigen repräsentativen Stichprobe des Alters-Survey wurden von etwa einem Drittel der Untersuchungsteilnehmer intergenerationelle familiäre Transfers berichtet. Die Empfänger waren zum weit überwiegenden Teil (84 %) die eigenen Kinder. Dagegen berichteten lediglich 8 Prozent der Befragten, selbst familiale Transfers erhalten zu haben. Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sowie zwischen Ost- und Westdeutschland waren gering, dagegen wurden in höheren Altersgruppen private Transfers zunehmend seltener empfangen (siehe dazu Kohli & Kühnemund 1999). |
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Werden die Ressourcen des Alters als gesellschaftliches Potenzial erkannt?Das Engagement älterer Menschen in sozialen BeziehungenDie Übernahme freiwilliger und ehrenamtlicher Tätigkeiten |
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