Funktionelle Veränderungen

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Einzelne Organe des Menschen altern unterschiedlich. Eine Analyse, die Morphologie und Funktion des Organismus getrennt betrachtet und die einzelnen Organe nicht im Kontext des gesamten Organismus beurteilt, wird gerade den altersspezifischen Veränderungen nicht gerecht.Die unterschiedlichen Veränderungen der einzelnen Organe beeinflussen sich gegenseitig und bewirken so die individuelle Entwicklung eines Krankheitsbildes im Alter, seine Dauer und Intensität wie auch die möglicherweise bleibende Behinderung. An den Alterungsprozessen der einzelnen Organe und des gesamten Organismus sind extrinsische und intrinsische Faktoren beteiligt.

Zu den intrinsischen Faktoren gehören z.B. "das genetische Programm" einer Person. Zu den extrinsischen Faktoren gehören z.B. die Ernährung, der Einfluss toxischer Substanzen usw. Diese Faktoren können insgesamt sowohl einen positiven als auch einen negativen Einfluss auf die Entwicklung von Krankheiten, Funktionsverlusten bzw. Behinderungen im Alter nehmen.

Am Beispiel Bewegungsapparat lässt sich der Einfluss verschiedener extrinsischer und intrinsischer Faktoren auf die Skelettalterung besonders gut beobachten. So gibt es erhebliche Geschlechtsunterschiede, die den Verlust von Knochengewebe mit zunehmendem Alter bestimmen (intrinsische Faktoren). Extrinsische Faktoren wie körperliche Aktivität bzw. Beanspruchung des Skelettsystems kann den altersabhängigen involutiven Prozess des Knochens positiv beeinflussen, indem durch Druck und Zug am Knochen ein Stimulus zum Knochenaufbau gegeben wird bzw. erhalten bleibt.

Es ist wichtig, herauszuheben, dass morphologische Organveränderungen in aller Regel nicht per se zu einem terminalen Funktionsverlust führen, sondern zur Funktionseinschränkung mit erhöhtem Krankheitsrisiko. Präventive Maßnahmen wie z.B. regelmäßige isometrische Übungen können dem im Alter drohenden Funktionsverlust des Bewegungsapparates entgegenwirken. Wenn es bereits zu einer Behinderung als Folge einer Krankheit gekommen ist (Osteoporose – Fraktur – Behinderung der Mobilität ), kann gezielte geriatrische Rehabilitation diesem schicksalhaft erscheinenden Prozess signifikant entgegenwirken. Das vorrangige Ziel dieser Maßnahme für den älteren Menschen ist es, größtmöglichste Selbstständigkeit im Alter zu erhalten.

Mit zunehmendem Alter kommt es weiterhin zu signifikanten Veränderungen der sensorischen Funktionen. Hier stehen das Sehen – etwa die Altersichtigkeit und zunehmende Trübung der Linsen – und das Hören – Hörminderung, insbesondere im Hochtonbereich – im Vordergrund. Die sensorischen Funktionen haben eine zentrale Bedeutung für die Alltagskompetenz der älteren Menschen z.B. für die Kommunikation, die Kontrolle der Bewegungen usw. In der Berliner Altersstudie konnte festgestellt werden, dass sich mit jedem Jahrzehnt die Sehschärfe deutlich verschlechtert. Die Beziehung innerhalb der verschiedenen sensorischen Funktionen spielen in höherem Alter wiederum eine große Rolle und sind in ihrer Wirkung nicht nur additiv zu sehen, sondern können sich auch potenzieren. Auch diese Funktionseinbußen sind als Risikofaktoren für Behinderung und Hilfsbedarf zu gewichten, insbesondere für die Gestaltung des Alltags, aber auch für die Manifestation von Erkrankungen.

Solche Funktionseinbußen (s. auch Übersicht 3-1) stellen noch keine Krankheit dar; sie führen aber zu deutlich verminderten Leistungen im Alltag. Im Krankheitsfall können sie dazu führen, dass eine Krankheit stärker ausgeprägt ist, länger verläuft und schließlich chronisch wird.

Übersicht 3-1: Wesentliche altersbedingte Veränderungen

Organ/System Altersbedingte Veränderungen Mögliche Folgen altersbedingter physiologischer Veränderungen
Allgemein
  • Zunahme des Körperfetts
  • Abnahme der Körperflüssigkeit
  • Abnahme der Muskelmasse
  • Abnahme des Grundstoffwechsels
  • Abnahme der Temperaturregulation
  • ·
Volumen zur Verteilung fettlöslicher Medikamente nimmt zu und für wasserlösliche ab
unbemerkte Unterkühlung möglich
Sinnesorgane Augen: Alterssichtigkeit
  • (Presbyopie), Linsentrübungen
  • Ohren: Hochtonverluste (umweltabhängig)
Verminderte Akkomodation
Eingeschränkte Wortdiskrimination bei Hintergrundgeräuschen
Respirationstrakt
  • Abnahme der Lungenelastizität
  • Zunehmende Steifheit des Brustkorbes (Altersthorax)
Missverhältnis zwischen Ventilation und Perfusion,
abnehmender Sauerstoffpartialdruck
Herz-Kreislaufsystem
  • abnehmende Anpassung der Arterien
  • zunehmender systolischer und diastolischer Blutdruck (abhängig von Umwelt und Lebensweise)
  • verzögerte Blutdruckregulation
  • Einschränkung des Herzschlagvolumens
Orthostatische Probleme,
Belastung kann oft nur über Herzfrequenzsteigerung aufgefangen werden
Bewegungsapparat
  • Skelettmuskel nimmt ab
  • Bänder, Sehnen, Muskeln weniger dehnbar
  • Abnahme des Mineralstoffgehaltes der Knochen
  • Gelenkbeweglichkeit nimmt ab
Geringere Beweglichkeit und Kraft Erhöhte Anfälligkeit für Knochenbrüche
Gastrointestinaltrakt
  • Mundhöhle / Zähne: Verlust
  • Anzahl der Geschmacksknospen reduziert
  • Magen-Darmtrakt: Sekretion der Speicheldrüsen
Magen, Pankreas nimmt ab bzw. verändert
Kaufunktion eingeschränkt
Gefahr der Fehl- und Mangelernährung
Urogenitaltrakt
  • Durstperzeption nimmt ab, Sättigungsperzeption zu
  • Harnblase: Tonus nimmt zu, Fassungsvermögen ab
  • Niere: glomuläre Filtrationsrate nimmt ab, renaler Natriumverlust
  • Prostatavergrößerung
Erhöhte Exsikkationsgefährdung
Häufigeres Urinieren, oft Drangzeit verkürzt
Erhöhter Wasserverlust (Schwitzen, Diuretika)
Mangelnde Ausscheidung einzelner Drogen/Medikamente
Haut
  • Atrophie, Schwund des subkutanen Fettgewebes
  • Abnahme und veränderte Struktur des kollagenen Bindegewebes, verminderte Durchblutung der Lederhaut
  • verminderte Talgdrüsenaktivität
  • verringerte Haarstärke
  • Haarverlust
Verlangsamte Wundheilung
Faltenbildung
Verminderte Hautfettung,
Trockene Haut


 
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