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Mit psychischen Störungen werden in der Psychiatrie, Psychotherapie und Klinischen Psychologie Veränderungen im Erleben und Verhalten des Menschen bezeichnet, die auf Störungen des Körpers, der Psyche und der Umwelt zurückzuführen sind. "Psychische Störungen" bilden den Oberbegriff für verschiedene Störungsarten (Schulte, D. 1998). Ursachen für Veränderungen im Erleben und Verhalten können körperliche Krankheiten (zum Beispiel im Zentral-Nerven-System) bilden – zu nennen sind hier zum Beispiel Demenzen, die ein Syndrom psychischer Störungen beschreiben, das in den meisten Fällen auf eine Gehirnatrophie (bei der Alzheimer Demenz) oder auf Gefäßerkrankungen des Gehirns (bei der vaskulären Demenz) zurückzuführen ist. Ursachen für Veränderungen im Erleben und Verhalten können weiterhin im Psychischen selbst liegen, vor allem in nicht verarbeiteten Erlebnissen, die Menschen in früheren Lebensjahren gemacht haben oder mit denen sie in der Gegenwart konfrontiert werden, in mangelnder oder fehlerhafter Kontrolle des Verhaltens sowie in fehlerhafter Interpretation von Umweltreizen – zu nennen sind zum Beispiel Verhaltensstörungen, die einen höheren Chronifizierungsgrad aufweisen, sowie Anpassungsstörungen, die bei akuten Überforderungen auftreten. Schließlich kann auch die verhaltenssteuernde Umwelt unangepasst und gestört sein; im Falle der Anpassung des Verhaltens an diese Bedingungen ist eher von abweichendem Verhalten und weniger von einer Verhaltensstörung auszugehen.

Vor dem Hintergrund dieser Aussagen erscheint folgende Definition psychischer Störungen als sinnvoll: Diese bezeichnen die

"krankhafte Störung der Wahrnehmung, des Verhaltens, der Erlebnisverarbeitung, der sozialen Beziehungen sowie der Körperfunktionen. Es gehört zum Wesen dieser Störungen, dass sie der willentlichen Steuerung durch den Patienten nicht mehr oder nur zum Teil zugänglich sind. Krankhafte Störungen können durch seelische oder körperliche Faktoren verursacht werden; sie werden in seelischen und körperlichen Symptomen und den krankhaften Verhaltensweisen erkennbar, denen aktuelle Krisen seelischen Geschehens, aber auch pathologische seelische und körperliche Strukturen und Funktionen zu Grunde liegen können" (Meyer et al. 1991: 26 f.).

Dabei ist auch der Einfluss der Umwelt zu berücksichtigen. Zum einen kann die Umwelt deren Schweregrad und Verlauf beeinflussen, zum anderen – im extremen Fall – kann sie seelische oder körperliche Schäden hervorrufen, die ihrerseits das Auftreten psychischer Störungen begünstigen.

Psychische Störungen und psychische Gesundheit werden heute nicht mehr als scharf voneinander zu trennende Zustände verstanden, sondern es wird angenommen, dass diese beiden Zustände ineinander übergehen können. Um diese Aussage besser zu verstehen, ist es sinnvoll, einzelne Definitionen von psychischer Gesundheit zu diskutieren, die deutlich machen, dass psychische Gesundheit mehrere Merkmale umfasst und sich nicht auf das Fehlen von Störungen beschränkt.

Mit psychischer Gesundheit wird in einem allgemeineren Sinne das intakte, psychisch voll funktionsfähige, anpassungs- und entwicklungsfähige Individuum umschrieben (Bastine 1998). In einem Überblick über Definitionen psychischer Gesundheit hat Jahoda (1958) sechs Kriterien genannt, die für diese Definitionen zentral sind; diese Kriterien spielen auch in der aktuellen Diskussion eine große Rolle: (1.) Positive Einstellung zu sich selbst (Selbstvertrauen, Selbstakzeptanz), (2.) Wachstum, Reifung, Entwicklung, (3.) Autonomie (emotionale Freiheit von den Anforderungen anderer, Selbstachtung), (4.) unverzerrte, präzise Wahrnehmung der Realität, (5.) Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Bewältigung von Anforderungen der Umwelt, (6.) Integration psychischer Funktionen. Psychische Gesundheit ist danach mehr als lediglich die Abwesenheit von psychischen Beeinträchtigungen und Störungen. Darüber hinaus kommt in diesem Verständnis von psychischer Gesundheit die Verantwortung des Individuums für seine Gesundheit zum Ausdruck (Schwarzer 1990).

Ein vergleichbarer Zugang zum Verständnis von Gesundheit im Alter kommt in der Ottawa-Erklärung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum Ausdruck (Weltgesundheitsorganisation 1986). Danach wird unter "gesundem Älterwerden" nicht das Freisein von Krankheiten verstanden (dieses Verständnis wird als zu eng gewertet), sondern vielmehr das Bestehen von personalen Ressourcen, durch die zur aktiven Lebensgestaltung beigetragen wird. In Übersicht 3-2 sind jene personalen Ressourcen aufgeführt, die zentral für die aktive Lebensgestaltung und damit für psychische Gesundheit sind. Doch ist die aktive Lebensgestaltung nicht nur durch Merkmale der Person, sondern ebenso durch Merkmale ihrer ökologischen, ökonomischen und sozialen Lebensbedingungen beeinflusst. Der Zustand der aktiven Lebensführung ist somit nicht nur durch Merkmale der Person, sondern umfassender durch Merkmale des Körpers, der Psyche, der Person-Umwelt-Interaktion und der Umwelt zu kennzeichnen.

Übersicht 3-2: Personale Ressourcen der aktiven Lebensgestaltung (aus Kruse 1999)

Körperliches und seelisches Wohlbefinden
Körperliche und geistige Leistungsfähigkeit
Erhaltene Aktivität im Sinne der Ausübung persönlich bedeutsamer Aufgaben
Selbstständigkeit im Alltag
Selbstverantwortung in der Alltagsgestaltung und Lebensplanung
Offenheit für neue Erfahrungen und Anregungen
Fähigkeit zur Aufrechterhaltung und Gründung tragfähiger sozialer Beziehungen
Fähigkeit zum reflektierten Umgang mit Belastungen und Konflikten
Fähigkeit zur psychischen Verarbeitung bleibender Einschränkungen und Verluste
Fähigkeit zur Kompensation bleibender Einschränkungen und Verluste
 
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