Gesundheit und Versorgungssystem als Ressource

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Es ist unstrittig, dass das höhere Alter mit einer Zunahme an behandlungswürdigen Krankheiten einhergeht. Alter ist allerdings keineswegs mit Krankheit gleichzusetzen, doch die alterstypischen, meist chronischen Krankheiten korrelieren mit hohen Krankheitskosten. Fragen der Altersmedizin und Fragen der Ökonomie sind damit untrennbar verbunden und bedürfen der gleichzeitigen Erwägung.

In diesem Kapitel des Berichtes wird zunächst auf den derzeitigen Stand von "Gesundheit" und "Krankheit" in der älteren Bevölkerung eingegangen. Da der somatische wie der psychische Gesundheitszustand sowie die Wechselwirkung zwischen beiden gerade im Alter eine große Rolle spielen, stehen diese Aspekte nachfolgend im Mittelpunkt. Darüber hinaus wendetsich der Blick der Kommission in diesem Kapitel immer wieder auf die heute veränderte Situation des Alterns. Stichworte sind hier etwa Langlebigkeit, gewonnene gesunde und behinderungsfreie Jahre ("aktive Lebenserwartung") und veränderte Angebotsstrukturen.

Der Bericht spricht nicht nur die neuesten Daten zum Thema Depression und Demenz an und diskutiert mögliche Perspektiven. Die beschriebenen demographischen und epidemiologischen Daten – insbesondere die Zunahme der Hochbetagten – lassen bei der derzeitigen und zukünftig zu erwartenden Altersstruktur vermuten, dass das Thema Demenz in unserer Gesellschaft erheblich an Bedeutung gewinnen wird.

Fünf Jahre nach Einführung der Pflegeversicherung widmet sich der Bericht ferner ausführlich dem Thema Pflege. Eine besondere Bedeutung wird dem nurmehr schwer zu überschauenden Feld der ambulanten Pflege beigemessen. Weiterhin wird eingegangen auf die Verbesserung der Qualifikation und die Modernisierung des Leistungsprofils in der Pflege. Die demographische Entwicklung bedingt eine dramatische Verschiebung im Morbiditätsspektrum in der Bevölkerung hin zu den chronischen Erkrankungen. Chronische Krankheiten zeichnen sich durch Irreversibilität und lebenslange Behandlungsbedürftigkeit aus und treten gerade im hohen Alter noch mehrfach miteinander kombiniert auf (Multimorbidität). Die bisherigen Modelle einer weitgehend "eindimensionalen" oder "kurativen" Medizin werden weder den chronischen Krankheiten noch der Multimorbidität im Alter gerecht. Daher wird im Abschnitt "Geriatrische Versorgung" ausführlich auf die besonderen Belange der Altersmedizin und die dafür erforderlichen Strukturen eingegangen. Versorgungsformen wie z.B. Tagesklinik und die ambulante geriatrische Rehabilitation, deren Sinn niemand bestreitet, die aber noch viel zu wenig im deutschen Versorgungssystem umgesetzt werden, finden ausführliche Beachtung. Das bisherige Modell der "eindimensionalen" und ausschließlich "kurativen" Medizin wird weder den chronischen Erkrankungen noch der Multimorbidität im Alter gerecht. Zur Weiterentwicklung und Optimierung unseres Gesundheitssystems müssen insbesondere Prävention und Rehabilitation selbstverständliche Bausteine werden. Sie müssen gleichwertig und am Patienten orientiert sein. Deshalb wird in diesem Bericht ausführlich auf diese Themen eingegangen und z.B. die geriatrische Rehabilitation als ein durchgängiger und integrierter Teil ("Herzstück") der Altersmedizin beschrieben. Auf Grund der demographischen Gegebenheiten werden besonders hohe Anforderungen an die sozialen Sicherungssysteme, vor allem an die Krankenkassen und die Pflegekassen gestellt. Die kurative bzw. kausale Medizin hat auf der einen Seite zu einer enormen Leistungsfähigkeit und großen Erfolgen geführt. Dies hat allerdings auf der anderen Seite unser Versorgungssystem und dessen Ausgabenentwicklung in hohem Maße geprägt, und auch die demographische Alterung führt zu wachsenden Ausgaben im Gesundheitssystem. Der Altenbericht wendet sich an verschiedenen Stellen der Problematik der wachsenden Gesundheitsausgaben zu, wobei der Aspekt einer integrierten Gesundheitsversorgung und ihrer Finanzierung und Vergütung besondere Beachtung findet.Weil es in diesem Kapitel nicht möglich war, alle im Zusammenhang von Gesundheit, Krankheit und Pflege wesentlichen Themen zu behandeln, haben wir uns entschlossen, in besonderer Weise auf jene Bereiche einzugehen, in denen unseres Erachtens Defizite in der Versorgung der älteren Bevölkerung vorliegen und in denen Änderungs- und Umstrukturierungsbedarf besteht.


 
link Gerontologie

Kapitel 1

Ressourcen des Alters aus individueller und gesellschaftlicher Perspektive

Wechselwirkungen zwischen individueller und gesellschaftlicher Verantwortung

Chancen und Anforderungen des Alters

Kompetenzen älterer Menschen

Ressourcen für ein mitverantwortliches Leben: Das Engagement älterer Menschen in sozialen Beziehungen sowie für unsere Gesellschaft

Kapitel 2

Altersbilder

Kapitel 3

Gesundheit und Versorgungssystem als Ressource

Die gesundheitliche Qualität der gewonnenen Jahre – bisherige Entwicklung und Perspektiven der behinderungsfreien Lebenserwartung

Somatischer Gesundheitszustand

Psychischer Gesundheitszustand

Pflegebedürftigkeit — statistische Angaben

Gesundheits- und Pflegeversorgung

Therapie- und Versorgungsaspekte: Die Potenziale zur Behandlung älterer Patienten mit psychischen Störungen

Pflegerische Versorgung

Perspektiven der Finanzierung und Vergütung einer integrierten Versorgung

Kapitel 4

Arbeit und Arbeitswelt als Ressource

Erwerbsbeteiligung, Erwerbslosigkeit und Erwerbsformen Älterer

Ältere Arbeitnehmer aus betrieblicher Perspektive

Zur Veränderung betrieblicher Personalpolitik

Ressourcen, Einbußen und Kompensationsmöglichkeiten älterer Arbeitnehmer

Der Übergang in den Ruhestand

Kapitel 5

Ökonomische Ressourcen im Alter

Quellen und Determinanten der Einkommens- und Vermögenssituation im Alter

Zur Einkommenslage im Alter in den neunziger Jahren - Unterschiede und Entwicklungslinien

Heterogenität der Einkommenslage in Westdeutschland

Armut im Alter

Vermögensbestände

Entwicklungstendenzen der Einkommenslage I: Einige Ergebnisse der AVID ’96

Entwicklungstendenzen der Einkommenslage II: Ergebnisse der Simulationsstudien

Kapitel 6

Soziale Ressourcen

Austausch und Hilfe in sozialen Netzwerken

Bürgerschaftliches Engagement

Kapitel 7

Räumliche, infrastrukturelle und technische Umwelten als Ressource

Kapitel 8

Rechtliche Umwelt als Ressource

Kapitel 9

Literaturliste