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5.2.2 Vermögensarten und deren DeterminantenZur Kategorisierung der Vermögensarten gibt es zahlreiche Möglichkeiten39. Aus individueller bzw. haushaltsspezifischer Sicht ist insbesondere die funktionale Gliederung der Vermögensbestände (nach Vermögensarten) von Interesse. Hierbei wird das Gesamtvermögen üblicherweise in drei Vermögensarten untergliedert: in Geldvermögen (Finanzvermögen), Sachvermögen und Arbeitsvermögen (Humanvermögen/human capital). Während theoretische Erörterungen alle drei Arten berücksichtigen, beschränken sich die empirischen Analysen in der Regel auf die beiden erstgenannten (materiellen) Vermögensbestände und lassen das Humanvermögen, vor allem auf Grund der Bewertungs- schwierigkeiten, außer Acht 40. Da die materiellen Ressourcen im Mittelpunkt dieses Kapitels stehen, konzentrieren sich die folgenden Anmerkungen auch auf die materiellen Vermögen. In der Literatur wird eine Vielzahl an Einflussfaktoren zur Erklärung von Höhe und Entwicklung des Vermögensbestandes genannt. Diese Determinanten der Vermögensarten lassen sich zu zwei Gruppen zusammenfassen 41: Zur ersten Gruppe werden objektive, messbare Faktoren gerechnet, die die Sparfähigkeit bedingen. Die zweite Gruppe umfasst eher als subjektiv zu bezeichnende Faktoren wie Präferenzen, Werthaltungen etc., die zur Charakterisierung der Sparbereitschaft verwendet werden. Hinsichtlich der Faktoren, die die Sparfähigkeit determinieren, geht es im Prinzip um solche, die auch die Einkommenslage im Alter beeinflussen und in Übersicht 5-1 aufgeführt wurden. Der Grund liegt in der Interdependenz zwischen Einkommen und Vermögen: So, wie der Vermögens- bestand die Einkommenslage im Alter beeinflusst zum einen durch Einkünfte aus Vermögen, zum anderen durch Vermögensauflösung , so wird auch die Vermögenssituation von der Einkommenslage der Haushalte beeinflusst42. Hinzu tritt der Transfer von Vermögen vor allem in Form von Schenkungen oder Erbschaften. Auf einen wichtigen Aspekt sei hingewiesen: Ceteris paribus ist die Vermögens- bildung um so leichter, je höher der Vermögensbestand bereits ist, da zum weiteren Vermögensaufbau auch Vermögenseinkünfte genutzt werden können. 43 Sparprozesse vollziehen sich in der Zeit. Das bedeutet auch, dass sich Vermögensbestände bei gegebener (Perioden-) Ersparnis im Zeitablauf bzw. Lebensverlauf allmählich aufbauen. Dadurch wird unmittelbar verständlich, dass (ceteris paribus) Vermögens- bestände im höheren Erwachsenenalter besonders hoch werden. Empirische Auswertungen kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass das verfügbare Einkommen der wichtigste Faktor für die Vermögens- bildung ist 44. Die Aussagen hinsichtlich der Auswirkungen von Erbschaften auf die Vermögen ist demgegenüber nicht eindeutig, obwohl in der politischen Diskussion häufig auf die Erbschaften als zentrales Moment für die Vermögenssituation von Haushalten hingewiesen wird. Von besonderer Relevanz hierfür sind die Anzahl der Kinder sowie die steuerlichen Regelungen. Ergänzend zu den in Übersicht 5-1 aufgeführten Einflussfaktoren sind allerdings spezifische Aspekte zu berücksichtigen, die insbesondere die zweite Determinantengruppe, Faktoren, die die Sparbereitschaft beeinflussen, betreffen 45. So hat Claupein, herausgearbeitet, dass die Einstellungen privater Haushalte hinsichtlich Vermögensverzehr, -erhaltung und vermehrung mit zu den wesentlichen Determinanten der Vermögensverteilung zählen. Diese Werthaltungen werden überlagert bzw. ergänzt durch gesellschaftlich-strukturelle Prozesse. Daneben werden die Sparziele als Motiv für die Vermögensbildung als bedeutsam angesehen. Hierbei wird in der Literatur zwischen dem Vorsorgesparen, dem Zwecksparen und dem so genannten Residualsparen unterschieden. Allerdings sind die Grenzen zwischen den drei Sparzielen fließend, d. h. eine eindeutige Zuordnung des Sparvorganges zu einem der Ziele ist nicht immer möglich. So kann beispielsweise der Sparvorgang zum Erwerb von Immobilienvermögen zur Selbstnutzung sowohl dem Zwecksparen das Ziel ist der Erwerb als auch dem Vorsorgesparen Absicherung der materiellen Situation im Alter zugerechnet werden. Nicht außer Acht gelassen werden sollten auch die Wertänderungen der Vermögensbestände. Diese treten beispielsweise infolge inflationärer Prozesse auf, die zu Wertänderungen der Geldvermögen führen. Ein anderes Beispiel sind die Wertänderungen z. B. von Aktien durch Kurssteigerungen 46, die zumindest in den vergangen Jahrzehnten im Durchschnitt zu positiven Vermögensänderungen geführt haben. Da Vermögen bisher von der Mehrzahl der Haushalte auch in der Altersphase nicht abgebaut werden, kommt weiterhin
Bedeutung bei der Akkumulation von Vermögen zu. Hier ist hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung der Vermögensverteilung vor allem wichtig, inwieweit die Haushalte im Zeitablauf stabil sind. Darüber hinaus gibt es eine weitere Vermögensart, die gerade im Zusammenhang mit der Situation im Alter von großer Bedeutung, aber in konventionellen Vermögensberechnungen nicht auftaucht: das "Versorgungs- oder Rentenvermögen". Es umfasst die Akkumulation individueller Renten- und Pensionsansprüche in solchen (Alterssicherungs-) Systemen, in denen selbst keine Vermögensansammlung erfolgt, die also im Umlageverfahren finanziert werden 47. Für den einzelnen Beitragszahler stellt jedoch auch ein einem Alterssicherungssystem, in dem die (spätere) Rentenleistung eng (zumindest relativ) mit dem früheren Versicherungsbeitrag verbunden ist. Dagegen werden in den üblichen Vermögens( verteilungs)rechnungen z. B. Ansprüche auf künftige Leistungen aus Lebensversicherungen berücksichtigt. beitrag verbunden ist, dieser Vorsorgebeitrag eine Form der Ersparnisbildung dar. Die hieraus akkumulierte Summe ergibt gleichfalls einen Vermögensbestand, der Ansprüche an künftiges Sozialprodukt bzw. Einkommen darstellt 48 und für viele Bürger von geradezu dominierender Bedeutung für ihre finanzielle Situation im Alter ist. 39 Siehe z. B. Claupein, (1990: 61 ff.), Fachinger, (1999: 7 ff.), Schlomann, (1992: 25 ff.), oder Thiele (1998: 24 ff.). |
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Zur Einkommenslage im Alter in den neunziger Jahren - Unterschiede und Entwicklungslinien |
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