Quellen und Determinanten der Einkommens- und Vermögenssituation im Alter


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Im Folgenden wird kurz skizziert, welche Einkommens- und Abgabearten zu beachten sind, wenn man die Einkommens- und Vermögenssituation im Alter skizzieren will. Darüber hinaus geht es um die Frage, nach wichtigen Faktoren, die für Höhe und Entwicklung der Einkommens- und Vermögenslage maßgebend sind.


Wichtige Arten von Einkünften und Abgaben

Auf die Einkommenslage im Alter wirken eine Vielzahl von Faktoren ein. Dies wird an ausgewählten Beispielen in Übersicht 5-1 verdeutlicht. Dort sind verschiedene Einkunfts- und Abgabearten sowie einige wichtige Determinanten für deren Höhe zusammengestellt 37. Von besonderer Bedeutung ist die ökonomische Lage in der Erwerbsphase (Beschäftigungs-, Erwerbseinkünfte) sowie die dort geltenden sozialrechtlichen Bedingungen, da hiervon Renten und Pensionen, die die Hauptquelle des Einkommens im Alter für den größten Teil der deutschen Bevölkerung darstellen, maßgeblich bestimmt werden. Hinzu treten aber weitere Einkunftsarten im Alter, so Vermögens- einkünfte, aber auch Transferzahlungen aus öffentlichen Haushalten und Gebietskörperschaften (wie Wohngeld, Sozialhilfe) und anderer Sozialversicherungsträger (so Geldleistungen der Pflegeversicherung).

Die Einkommenslage im Alter wird sodann von den sozial- und steuerrechtlichen Bedingungen in der Altersphase mitgeprägt, da das jeweilige Leistungsrecht für die Renten, Pensionen, Transferzahlungen insgesamt, aber auch die Höhe der Abgaben bedeutsam sind. Auch die jeweiligen ökonomischen Bedingungen sind wiederum wichtig, z.B. auf den Finanz- und Kapitalmärkten als Quelle für Vermögenseinkünfte, und auf Arbeitsmärkten für die Anpassung von Renten, Pensionen und manchen anderen Transferzahlungen.

Das Leistungsrecht insbesondere der sozialen Sicherungssysteme spielt aber noch in weiterer Hinsicht eine wichtige Rolle: So bestimmt das Ausmaß der verfügbaren Sachleistungen (z.B. die Abgrenzung der von den Krankenversicherungen gewährten Leistungen im Krankheitsfall) mit darüber, was aus dem Nettoeinkommen "privat" zu finanzieren ist, entweder in Form von Zuzahlungen (was gleichfalls sozial- rechtlich definiert ist) oder durch den Zukauf von Waren und Dienstleistungen. Schließlich sei noch darauf hingewiesen, dass unter Umständen auch Preisvergünstigungen, nicht zuletzt aber auch indirekte Abgaben (wie Verbrauchssteuern) die "reale" Einkommenslage im Alter beeinflussen.

Übersicht 5-1: Wichtige Determinanten der Einkommenslage im Alter

Einkunfts-/Abgabenarten Determinanten
Erwerbseinkünfte aus unselbstständiger und selbstständiger Tätigkeit Erwerbstätigkeit im formellen und informellen Sektor
Vermögenseinkünfte (ohne Versicherungen) Sparen, Schenkungen und Vererbung
Renten und Pensionen
- Sozialversicherungen
- Gebietskörperschaften
- Versorgungswerke
- Betriebe
- Privatversicherungen
Leistungsrecht der sozialen Sicherungssysteme
Art und Umfang früherer Erwerbstätigkeit
im formellen Sektor,
Familienstand (bei Hinterbliebenenrenten),
Gesundheitszustand (bei Invalidität)
weitere Transferzahlungen aus öffentlichen Haushalten (z.B. Sozialhilfe, Wohngeld) übrige Einkünfte; Haushaltsgröße und -struktur; Mietausgaben usw.
Interfamiliäre und andere private monetäre Transfers Familienbeziehungen und ökonomische Situation von Familienangehörigen
Summe=Bruttoeinkommen
Lohn- und Einkommensteuer
Sozialversicherungsbeiträge
- Rentenversicherung
- Krankenversicherung
- Pflegeversicherung
- Bundesanstalt für Arbeit
(vergleichbare Beiträge bei Nichtversicherungspflichtigen)
Einkommen bzw. einzelne Einkunftsarten, Abgabesätze
Summe=Nettoeinkommen
Auflösung von Geld- oder/
und Sachvermögen
Vermögensbestand
Laufende Einkommen im Verhältnis
zum "Bedarf"
nichtmonetäre Einkommenselemente u.a.
aus öffentlichen Haushalten (Sachleistungen)
Preisvergünstigungen
Sachleistung aus Privathaushalten (z.B. intrafamiliäre Transfers)
Leistungsrecht

Art der Einkommensverwendung
Familienbeziehungen
Indirekte Steuern Art der Einkommensverwendung
Zuzahlungen im Krankheits- und Pflegefall Leistungsrecht, Gesundheitszustand

Quelle:
Ergänzte Darstellung nach Schmähl 1995: 4.


Übersicht 5-2 soll verdeutlichen, dass die verschiedenen Alterskohorten beim Durchwandern der verschiedenen Lebensphasen von unterschiedlichen Bedingungen bzw. unterschiedlich lange betroffen werden. Dies bezieht sich u.a. auf die Erwerbsmöglichkeiten, die maßgeblich von der Situation auf dem Arbeitsmarkt bestimmt werden, aber auch auf in der Erwerbsphase geltenden sozial- und steuerrechtliche Regelungen. Zu beachten ist u.a., dass in der Zeit der deutschen Teilung sich für die Menschen in den beiden deutschen Teilstaaten die maßgeblichen Umfeldbedingungen in vielfältiger Weise tiefgreifend unterschieden. Zum Teil ist dies - worauf noch hinzuweisen sein wird - im Prozess der deutschen Vereinigung im Hinblick auf die Alterssicherung durch sozialrechtliche Regelungen zu kompensieren versucht worden.

Auch ist zu beachten, dass die in Übersicht 5-2 schematisch eingefügten Grenzen für die drei dort unterschiedenen Lebensphasen im Zeitablauf nicht konstant waren. Das ist u.a. für die Länge der Erwerbskarrieren von Bedeutung. Zudem sind schon zum Geburtszeitpunkt die Kohorten unterschiedlich stark besetzt gewesen, und in ihrem weiteren Lebensverlauf haben sich Veränderungen in den Sterblichkeitsverhältnissen ergeben, so dass die Kohortenbesetzung in bestimmten Lebensaltern oder Kalenderjahren unterschiedlich war und ist. Dies wiederum hat Rückwirkungen auf das Leistungsrecht und den Finanzbedarf im Bereich sozialer Sicherung.

Orientiert man sich einmal an der schematischen Abgrenzungen für die drei Lebensphasen (20. Lebensjahr als Beginn der Erwerbsphase, 60. Lebensjahr als deren Beendigung, was allerdings den gegenwärtigen Bedingungen relativ gut entspricht), so befinden sich am Beginn des neuen Jahrhunderts die zwischen 1940 und 1980 Geborenen in der Erwerbsphase, während sich alle älteren noch lebenden Personen in der Altersphase befinden.

Diese wenigen Hinweise illustrieren einmal mehr, dass notwendigerweise mit einer großen Heterogenität für die Situation der jetzt Älteren zu rechnen ist, was allerdings auch nicht verwundert, da ja auch ihre Situation in der Erwerbsphase aus vielerlei Gründen heterogen war. Gleiches gilt für die künftige Entwicklung.

Dies wird zusätzlich dadurch verdeutlicht, dass Personen - u.a. je nach Art ihrer Erwerbstätigkeit - von unterschiedlichen Alterssicherungssystemen "erfasst werden" bzw. in bestimmten Formen für das Alter vorgesorgt haben. Deutschland verfügt über ein vielgestaltiges und vielschichtiges Alterssicherungssystem, wie aus Übersicht 5-3 hervorgeht. Dabei ist zu beachten, dass im Lebensablauf auch ein Wechsel zwischen verschiedenen Formen der Alterssicherung erfolgen kann (z.B. vom Angestellten- in den Beamtenstatus, aus selbstständiger Tätigkeit in unselbstständige oder ungekehrt). Somit setzen sich Einkünfte im Alter vielfach auch aus unterschiedlichen Einkunftsquellen aus Einkünften verschiedener Alterssicherungssysteme zusammen. 38


36 So schreibt denn auch der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, dass Aussagen über die personelle Vermögensverteilung nicht möglich sind, da eine "angemessene Grundlage" fehlt; Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (1998: 141). Für einen Überblick über die Datenlage siehe z. B. Bedau (1998), Fachinger (1998) sowie Hauser et al. (1997: 124 ff).

37 Dabei steht die Situation unselbstständig Versicherter im Zentrum. Zur Absicherung von Selbstständigen – z. T. auch über Sozialversicherungen – vgl. für einen ersten Überblick Fachinger und Oelschläger (2000).

38 Die Kumulation insbesondere von Sozialleistungen ist in der Vergangenheit u. a. von der Transfer-Enquête- Kommission der Bundesregierung in ihren beiden Berichten (1979 u. 1981) untersucht und diskutiert worden. Einkommensvergleiche u. a. zwischen ehemalig unselbstständig Beschäftigten im Privat- und öffentlichen Sektor und Selbstständigen werfen erhebliche methodische und empirische Probleme auf, die hier nicht erörtert werden können. Vgl. hierzu Schmähl 1981.



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Vermögensarten und deren Determinanten




 
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Vorwort

Kapitel

Ressourcen des Alters aus individueller und gesellschaftlicher Perspektive

Wechselwirkungen zwischen individueller und gesellschaftlicher Verantwortung

Chancen und Anforderungen des Alters

Kompetenzen älterer Menschen

Ressourcen für ein mitverantwortliches Leben: Das Engagement älterer Menschen in sozialen Beziehungen sowie für unsere Gesellschaft

Kapitel 2

Altersbilder

Kapitel 3

Gesundheit und Versorgungssystem als Ressource

Die gesundheitliche Qualität der gewonnenen Jahre – bisherige Entwicklung und Perspektiven der behinderungsfreien Lebenserwartung

Somatischer Gesundheitszustand

Psychischer Gesundheitszustand

Pflegebedürftigkeit — statistische Angaben

Gesundheits- und Pflegeversorgung

Therapie- und Versorgungsaspekte: Die Potenziale zur Behandlung älterer Patienten mit psychischen Störungen

Pflegerische Versorgung

Perspektiven der Finanzierung und Vergütung einer integrierten Versorgung

Kapitel 4

Arbeit und Arbeitswelt als Ressource

Erwerbsbeteiligung, Erwerbslosigkeit und Erwerbsformen Älterer

Ältere Arbeitnehmer aus betrieblicher Perspektive

Zur Veränderung betrieblicher Personalpolitik

Ressourcen, Einbußen und Kompensationsmöglichkeiten älterer Arbeitnehmer

Der Übergang in den Ruhestand

Kapitel 5

Ökonomische Ressourcen im Alter

Quellen und Determinanten der Einkommens- und Vermögenssituation im Alter

Zur Einkommenslage im Alter in den neunziger Jahren - Unterschiede und Entwicklungslinien

Heterogenität der Einkommenslage in Westdeutschland

Armut im Alter

Vermögensbestände

Entwicklungstendenzen der Einkommenslage I: Einige Ergebnisse der AVID ’96

Entwicklungstendenzen der Einkommenslage II: Ergebnisse der Simulationsstudien

Kapitel 6

Soziale Ressourcen

Austausch und Hilfe in sozialen Netzwerken

Bürgerschaftliches Engagement

Kapitel 7

Räumliche, infrastrukturelle und technische Umwelten als Ressource

Kapitel 8

Rechtliche Umwelt als Ressource

Kapitel 9

Literaturliste