Zur Einkommenslage im Alter in den neunziger Jahren - Unterschiede und Entwicklungslinien


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Zuerst wird ein Überblick über die Einkommen insgesamt gegeben 49. Dabei wird Unterschieden zwischen West- und Ostdeutschland und zwischen verschiedenen Haushaltstypen besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Anschließend werden Angaben über einzelne Einkunftsarten gegeben, durch die maßgeblich die Einkommenslage im Alter bestimmt wird.


5.3.1 Haushaltseinkommen

Insbesondere die tief greifenden Einschnitte auf dem Arbeitsmarkt und im Erwerbsleben, die Anfang der neunziger Jahre vor allem im Beitrittsgebiet zu verzeichnen waren (man denke an die massive Frühverrentung, siehe dazu Kapitel 4), haben Spuren in der Einkommensverteilung hinterlassen, aber auch die abgaben- und vor allem leistungsrechtlichen Veränderungen. Zwar wird in diesem Kapitel die Einkommenssituation in Ostdeutschland nicht mit der Lage in der DDR verglichen, doch haben die Bedingungen, die in der DDR herrschten, Auswirkungen auf die Unterschiede in der Einkommenssituation zwischen Ost- und Westdeutschland nach der Vereinigung im Jahr 1990.

Tabelle 5-1 verdeutlicht für das Jahr 1992 bereits am Beispiel der durchschnitt- lichen Nettoeinkommen von Personen im Alter von 55 und mehr Jahren, signifikante Unterschiede zw ischen West- und Ostdeutschland sowie zwischen Männern und Frauen. In Westdeutschland sind die durchschnitt- lichen Nettoeinkommen im Vergleich zu Ostdeutsch- land höher, aber auch stärker ungleich verteilt.

Die Absolutbeträge der Durchschnittseinkommen liegen für alle in Tabelle 5-1 unterschiedenen Familienstandstypen durchweg in Westdeutschland über denen in Ostdeutschland. Um die unterschiedliche Haushaltsgröße beim Vergleich von Verheirateten und Alleinstehenden zu berücksichtigen, wurde das Durchschnittseinkommen der Verheirateten mit dem Faktor 1,7 gewichtet (gewichtetes Pro-Kopf-Einkommen).

Die beiden hier verwendeten Ungleichheitsmaße (Variationskoeffizient und Ginikoeffizient) 50 sind durchweg in Westdeutsch- land höher als in Ostdeutschland. Betrachtet man die jeweils vergleichbaren Familienstandstypen für Männer und Frauen, so zeigt sich bei den durchschnittlichen Nettoeinkommen von Männern – gemessen am Ginikoeffizienten – eine stärkere Ungleichverteilung als bei Frauen.

Durchschnittseinkommen sowie Variations- und Ginikoeffizient der Nettoeinkommen bis unter 10.000 DM – 1992

Durchschnittseinkommen Variationskoeffizient Ginikoeffizient
Familienstand West Ost West Ost West Ost
Frauen
alle 2.743 1.698 0,62 0,41 0,32 0,22
verheiratet absolut 3.662 2.327 0,51 0,35 0,27 0,16
gewichtet 2.154 1.369
verwitwet 1.997 1.316 0,51 0,26 0,24 0,16
geschieden / getrennt lebend 1.895 1.092 0,55 0,28 0,28 0,16
ledig 2.080 1.175 0,63 0,31 0,32 0,16
Männer
alle 3.625 2.227 0,53 0,42 0,29 0,21
verheiratet absolut 3.865 2.399 0,52 0,36 0,32 0,17
gewichtet 2.274 1.411
verwitwet 2.624 1.397 0,53 0,27 0,26 0,15
geschieden / getrennt lebend 2.323 1.357 0,50 0,36 0,31 0,22
ledig 2.572 1.252 0,61 0,43 0,31 0,23

Quelle:Fachinger 1999, Tab. 3, basierend auf Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung 1994a, Tabellen B-149, B- 150, B-236 und B-237.


Hinter den Nettoeinkommen verbergen sich nicht nur Unterschiede in den Bruttoeinkommen, sondern auch unterschiedliche Abgabenbelastungen. Diese sind in Westdeutschland deutlich höher als in Ostdeutschland. Das wird in Tabelle 5-2 anhand der Relation von Netto- zu Bruttoeinkommen erkennbar: Die Bruttoeinkommen werden im Westen relativ mehr von direkten Abgaben (Lohn- und Einkommensteuer sowie Arbeitnehmerbeiträge zu den verschiedenen Sozialversicherungszweigen) belastet. Dazu trägt (bei progressiver Lohn- und Einkommensteuer- belastung) auch das höhere Einkommensniveau im Westen bei.

Verhältnis von Netto- zu Bruttoeinkommen 1992, alle Einkommensklassen

Netto in % Brutto Differenz der
Familienstand West Ost Spaltenwerte
Frauen (2) (3) (3) - (2)
alle 85,3 92,8 7,5
verheiratet 83,1 92,1 9,1
verwitwet 90,8 94,1 3,3
geschieden bzw. getrennt lebend 84,1 92,3 8,2
ledig 82,9 92,8 9,8
Männer
alle 80,2 89,8 9,6
verheiratet 80,0 89,5 9,5
verwitwet 86,7 93,9 7,2
geschieden bzw. getrennt lebend 75,1 89,2 14,1
ledig 78,9 88,0 9,1

Quelle:Fachinger 1999, Tab. 4, basierend auf Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung 1994a, Tabellen B-144, B- 145, B-149, B-150, B-233, B-234, B-236 und B-237, sowie eigene Berechnungen.

Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Familienständen sind maßgeblich durch steuerliche Regelungen geprägt einschließlich des erwähnten Progressionseffektes bei höheren Einkommen. Letzteres erklärt auch die vergleichsweise geringe Abgabenbelastung der Verwitweten im Vergleich zu den anderen Familienständen wie auch von Frauen im Vergleich zu Männern.

Wie bereits durch die beiden Ungleichheitsmaße angedeutet wurde, verbergen sich hinter solchen Durchschnittsangaben (wie in Tabelle 5-1 und 5-2) höchst unterschiedliche Häufigkeits- verteilungen (Schichtungen). Dies ist aus den Abbildungen 5-1 und 5-2 für Nettoeinkommen von Frauen und Männern in West- bzw. Ostdeutschland zu erkennen.

Für die ostdeutschen Haushalte älterer Menschen spielte die gesetzliche Rentenversicherung als Einkommensquelle eine weitaus größere Rolle als in Westdeutschland, gab es doch in der DDR keine nennenswerte betriebliche Alterssicherung und auch die private Vorsorge für das Alter besaß eine höchst untergeordnete Rolle. Angesichts der Arbeitsmarktlage in Ostdeutschland fielen auch Erwerbseinkünfte von Älteren und insbesondere auch Rentnern als Einkunftsquelle weitgehend aus.

Die Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) sind – im Durchschnitt – die bei weitem wichtigste Einkunftsquelle in West- wie Ostdeutschland. Deshalb wird nachfolgend näher auf diese Einkunftsart eingegangen.

Angesichts der höheren Erwerbsbeteiligung von Frauen treffen allerdings in ostdeutschen Haushalten häufiger als in westdeutschen Haushalten älterer Menschen zwei Versichertenrenten der beiden Ehepartner zusammen. Neben dem weitgehenden Fehlen ergänzender und zusätzlicher Formen der Alterssicherung in DDR-Zeiten wie auch von Beamtenpensionen erklärt dies mit das deutlich stärkere Gewicht von GRV-Renten in ostdeutschen Haushaltsbudgets.


48 Bei den nachfolgenden empirischen Angaben werden die hieraus fließenden verrenteten periodenbezogenen Einkünfte (Rente, Pensionen) berücksichtigt und nicht explizit auf die Höhe des Vermögensbestandes eingegangen. 49 Vgl. zum allgemeinen Überblick auch Ruland und Faik (1999).



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Renten der gesetzlichen Rentenversicherung

 
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Vorwort

Kapitel

Ressourcen des Alters aus individueller und gesellschaftlicher Perspektive

Wechselwirkungen zwischen individueller und gesellschaftlicher Verantwortung

Chancen und Anforderungen des Alters

Kompetenzen älterer Menschen

Ressourcen für ein mitverantwortliches Leben: Das Engagement älterer Menschen in sozialen Beziehungen sowie für unsere Gesellschaft

Kapitel 2

Altersbilder

Kapitel 3

Gesundheit und Versorgungssystem als Ressource

Die gesundheitliche Qualität der gewonnenen Jahre – bisherige Entwicklung und Perspektiven der behinderungsfreien Lebenserwartung

Somatischer Gesundheitszustand

Psychischer Gesundheitszustand

Pflegebedürftigkeit — statistische Angaben

Gesundheits- und Pflegeversorgung

Therapie- und Versorgungsaspekte: Die Potenziale zur Behandlung älterer Patienten mit psychischen Störungen

Pflegerische Versorgung

Perspektiven der Finanzierung und Vergütung einer integrierten Versorgung

Kapitel 4

Arbeit und Arbeitswelt als Ressource

Erwerbsbeteiligung, Erwerbslosigkeit und Erwerbsformen Älterer

Ältere Arbeitnehmer aus betrieblicher Perspektive

Zur Veränderung betrieblicher Personalpolitik

Ressourcen, Einbußen und Kompensationsmöglichkeiten älterer Arbeitnehmer

Der Übergang in den Ruhestand

Kapitel 5

Ökonomische Ressourcen im Alter

Quellen und Determinanten der Einkommens- und Vermögenssituation im Alter

Zur Einkommenslage im Alter in den neunziger Jahren - Unterschiede und Entwicklungslinien

Heterogenität der Einkommenslage in Westdeutschland

Armut im Alter

Vermögensbestände

Entwicklungstendenzen der Einkommenslage I: Einige Ergebnisse der AVID ’96

Entwicklungstendenzen der Einkommenslage II: Ergebnisse der Simulationsstudien

Kapitel 6

Soziale Ressourcen

Austausch und Hilfe in sozialen Netzwerken

Bürgerschaftliches Engagement

Kapitel 7

Räumliche, infrastrukturelle und technische Umwelten als Ressource

Kapitel 8

Rechtliche Umwelt als Ressource

Kapitel 9

Literaturliste