Heterogenität der Einkommenslage in Westdeutschland


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Sowohl die ergänzenden Formen der Alterssicherung - betriebliche Alterssicherung im öffentlichen und privaten Sektor - als auch die zusätzliche private Vorsorge besaß und besitzt – wie erwähnt – in Westdeutschland beträchtlich größere Bedeutung als in Ostdeutschland. In Westdeutschland kommt es vielfach zu einer Kumulation solcher Einkunftsarten in Hausha lten älterer Menschen mit GRV-Renten.

Die auf freiwilligen Entscheidungen beruhenden betrieblichen Alterssicherungseinrichtungen der Privatwirtschaft haben einen unterschiedlichen Deckungsgrad je nach Betriebsgröße und Wirtschaftszweig. Dies hat auch Folgen für die geschlechtsspezifische Verteilung von Betriebsrenten. Dies ist aus Tabelle 5-5 für das Jahr 1995 deutlich zu erkennen.

Alterssicherung von Beschäftigten in der Privatwirtschaft 19951)– Westdeutschland

    Männer Frauen
GRV-Rente2)
in Tsd.
Betriebsrente3)
in %
GRV-Rente2)
in Tsd.
Betriebsrente3)
in %
insgesamt 2746 48 3546 13
nach Beschäftigtengrößenklassen von … bis unter … Beschäftigten
1 bis 9 195 8 949 2
10 bis 99 592 22 787 5
100 bis 499 479 42 528 19
500 bis 999 265 57 194 34
1000 bis 9999 593 70 313 43
10000 und mehr 424 82 129 50
nach Wirtschaftsbereichen
Handwerk 250 13 340 4
Handel 202 35 739 12
Baugewerbe 383 39 53 17
Industrie / Energiewirtschaft 1405 66 1131 23
Banken / Versicherungen 81 70 115 32
Land- / Forstwirtschaft 75 14 214 2
Bergbau 164 8 22 22
Sonstige / Keine Angabe 186 27 932 4

1) Basis: Bezieher einer eigenen GRV-Rente, die zuletzt Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft waren, Männer und Frauen ab 60 Jahren.

2) Anzahl der Rentenfälle.

3) Anteil der Bezieher einer GRV-Rente, die zugleich eine Betriebsrente erhalten.

Quelle:
Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung 1998a: 123 f.



Insgesamt erhielten 1995 knapp 50 Prozent aller männlichen Bezieher einer Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung zusätzlich eine Betriebsrente, während es bei Frauen nur 13 Prozent waren. Der Verbreitungsgrad der Betriebsrenten für Arbeiter und Angestellte im öffentlichen Sektor ist allerdings deutlich höher, nahezu flächendeckend, da hier die Zusatzrenten auf kollektivvertraglichen Regelungen basieren.

Bemerkenswert ist, dass die Kumulation von GRV-Renten und Betriebsrenten zu einer größeren Ungleichverteilung von Alters- einkünften beiträgt, da tendenziell höhere Betriebsrenten von denjenigen GRV-Rentenbeziehern empfangen werden, die auch über höhere Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung verfügen. Hierfür gibt es verschiedene Gründe, so die im Durchschnitt oft höheren Löhne in Großunternehmen (was zum Teil auch mit der Qualifikationsstruktur zusammenhängt), wie auch die Tatsache, dass für Personen, deren Arbeitsentgelt über der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung liegt (und die folglich für diese Lohnbestandteile keine Sozialbeiträge abführen, aber hierfür auch keine Rentenansprüche erwerben) vielfach ein Ausgleich über die Zuerkennung von Betriebsrentenansprüchen (als aufgeschobene Lohnbestandteile) erfolgt, um den Abstand der Renten vom früheren Arbeitsentgelt nicht zu groß werden zu lassen.


53 Ein Überblick über die regelmäßige spezifische Berichterstattung über Ostdeutschland – vor allem auch zur Einschätzung der Lage – findet sich in Winkler (1999).

 
link Gerontologie

Vorwort

Kapitel

Ressourcen des Alters aus individueller und gesellschaftlicher Perspektive

Wechselwirkungen zwischen individueller und gesellschaftlicher Verantwortung

Chancen und Anforderungen des Alters

Kompetenzen älterer Menschen

Ressourcen für ein mitverantwortliches Leben: Das Engagement älterer Menschen in sozialen Beziehungen sowie für unsere Gesellschaft

Kapitel 2

Altersbilder

Kapitel 3

Gesundheit und Versorgungssystem als Ressource

Die gesundheitliche Qualität der gewonnenen Jahre – bisherige Entwicklung und Perspektiven der behinderungsfreien Lebenserwartung

Somatischer Gesundheitszustand

Psychischer Gesundheitszustand

Pflegebedürftigkeit — statistische Angaben

Gesundheits- und Pflegeversorgung

Therapie- und Versorgungsaspekte: Die Potenziale zur Behandlung älterer Patienten mit psychischen Störungen

Pflegerische Versorgung

Perspektiven der Finanzierung und Vergütung einer integrierten Versorgung

Kapitel 4

Arbeit und Arbeitswelt als Ressource

Erwerbsbeteiligung, Erwerbslosigkeit und Erwerbsformen Älterer

Ältere Arbeitnehmer aus betrieblicher Perspektive

Zur Veränderung betrieblicher Personalpolitik

Ressourcen, Einbußen und Kompensationsmöglichkeiten älterer Arbeitnehmer

Der Übergang in den Ruhestand

Kapitel 5

Ökonomische Ressourcen im Alter

Quellen und Determinanten der Einkommens- und Vermögenssituation im Alter

Zur Einkommenslage im Alter in den neunziger Jahren - Unterschiede und Entwicklungslinien

Heterogenität der Einkommenslage in Westdeutschland

Armut im Alter

Vermögensbestände

Entwicklungstendenzen der Einkommenslage I: Einige Ergebnisse der AVID ’96

Entwicklungstendenzen der Einkommenslage II: Ergebnisse der Simulationsstudien

Kapitel 6

Soziale Ressourcen

Austausch und Hilfe in sozialen Netzwerken

Bürgerschaftliches Engagement

Kapitel 7

Räumliche, infrastrukturelle und technische Umwelten als Ressource

Kapitel 8

Rechtliche Umwelt als Ressource

Kapitel 9

Literaturliste