Vermögensbestände


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Der folgende Abschnitt enthält einige Informationen über den Vermögensbestand von Haushalten älterer Menschen. Da das arithmetische Mittel von so genannten "Ausreißern" stark beeinflusst wird 58, findet im Folgenden der Median59 als Mittelwert zur Beschreibung der zentralen Lage der Vermögensverteilung Verwendung.

In der Tabelle 5-9 sind die (durchschnittlichen) Nettogeldvermögensbestände west- und ostdeutscher Haushalte, deren Bezugsperson 55 Jahre und älter ist 60, nach Familienstatus und Geschlecht differenziert dargestellt 61. Um einen Eindruck von der Ungleichheit der Verteilung der Geldvermögens- bestände zu vermitteln, ist zusätzlich der Variationskoeffizient angegeben.

Durchschnittlicher Nettogeldvermögensbestand (Median) 1993 und Variationskoeffizient,gewichtet, Bezugspersonen ab 55 Jahren

   Median Variationskoeffizient
Familienstand West Ost West Ost
Frauen
alle 17.976 9.169 1,64 1,11
verheiratet 34.941 10.000 1,34 0,94
verwitwet 15.750 9.865 1,57 1,15
geschieden / getrennt lebend 11.074 5.400 2,24 1,27
ledig 31.688 11.520 1,37 0,90
Männer
Alle 29.036 12.275 1,69 1,14
Verheiratet 29.515 12.242 1,57 0,99
Verwitwet 25.945 12.500 2,11 1,63
Geschieden / getrennt lebend 10.594 (10.257) 1,99 (1,05)
Ledig 40.111 / 1,81 /
/ = Keine Aussage möglich, da die Zellenbesetzung mit n <25 unzureichend ist.

( ) = Der Aussagewert ist eingeschränkt, da die Zellenbesetzung mit 25 £ n < 100 unzureichend ist.

Quelle:Fachinger 1999, Tab. 54, auf der Basis des Grundfiles der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 1993.


Mehr noch als bei den Einkommen liegt für Vermögen eine beträchtliche Streuung vor: "So entfielen 1993 auf die Hälfte der Senioren- Haushalte nur 10 Prozent (Westdeutsch- land) bzw. 19 Prozent (Ostdeutschland) des jeweiligen Geldvermögens sowie 1998 knapp 27 Prozent bzw. gut 20 Prozent des Immobilienvermögens."62

Deutlich sind die erheblichen Unterschiede in der durchschnittlichen Höhe der Nettogeldvermögens- bestände zu erkennen. So divergieren die Median- werte zwischen den Familienständen beträchtlich, besonders deutlich bei den westdeutschen Männern. Allerdings gilt für West und Ostdeutschland gleichermaßen, dass die geschieden bzw. getrennt Lebenden über die geringsten Vermögensbestände verfügen, ein im Prinzip nicht überraschender Befund, wie auch, dass die westdeutschen Haushalte im Durchschnitt erheblich höhere Vermögensbestände akkumuliert hatten als ostdeutsche Haushalte.

Deutliche Unterschiede bestehen auch in der Höhe der Vermögensbestände zwischen den Altersgruppen: Es wurde schon darauf hingewiesen, dass dies mit der sich im Zeitablauf vollziehenden Akkumulation begründet werden kann. Allerdings zeigt sich bei einer Zeitpunktbetrachtung nicht, dass je älter die Personen sind, umso höher auch die Vermögensbestände sind; vgl. Tabelle 5-10.

Bestand des Nettogeldvermögens nach Alter auf der Grundlage der EVS ’93 – inklusive Versicherungsguthaben

   Frauen Männer Relation Männer
zu Frauen
Median Relation MedianRelation
West Ost (1) zu (2) West Ost (4) zu (5) West Ost
Alter (1) (2) (3) (4) (5) (6) (7) (8)
unter 25 5.958 7.000 0,9 10.261 4.816 2,1 1,7 0,7
25 bis 29 10.663 5.192 2,1 15.858 5.447 2,9 1,5 1,0
30 bis 34 12.427 7.901 1,6 27.850 10.418 2,7 2,2 1,3
35 bis 39 16.755 11.231 1,5 36.862 16.152 2,3 2,2 1,4
40 bis 44 22.500 12.934 1,7 48.061 18.897 2,5 2,1 1,5
45 bis 49 26.485 13.000 2,0 62.937 23.769 2,6 2,4 1,8
50 bis 54 34.467 15.189 2,3 65.750 26.940 2,4 1,9 1,8
55 bis 59 26.731 12.500 2,1 64.698 20.666 3,1 2,4 1,7
60 bis 64 24.503 12.500 2,0 57.500 23.292 2,5 2,3 1,9
65 bis 69 18.864 12.500 1,5 48.750 20.379 2,4 2,6 1,6
70 bis 74 19.025 10.000 1,9 42.712 19.000 2,2 2,2 1,9
75 und älter 13.905 8.750 1,6 38.380 12.500 3,1 2,8 1,4

Quelle: Fachinger 1999, Tab. 50, auf der Basis des Grundfiles der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 1993.

Die Höhe der Vermögensbestände nach einzelnen Altersklassen zeigt für 1993, dass die Bestände bis zu einem mittleren Erwachsenen- alter ansteigend sind. Dies wird häufig als Alterseffekt interpretiert. Aber man darf neben den Alters-, die Perioden- und Kohorteneffekte bei der Interpretation derartiger Angaben nicht vernachlässigen. So weist Fachinger (1998) in einem Vergleich der Vermögensbestände für Kohorten über mehrere Erhebungen der Einkommens- und Verbrauchs- stichproben hinweg nach, dass mit zunehmendem Alter bei allen Kohorten der Vermögensbestand ebenfalls zugenommen hat63. Auch zeigt sich trotz der Begrenztheit der Aussagefähigkeit von Angaben über Vermögensbestände, dass in der Nacherwerbsphase mit zunehmendem Alter die Vermögensbestände nicht wieder abgebaut werden. Dies bezieht sich hier zwar nur auf die Geldvermögen, dürfte aber tendenziell auch für die in konventionellen Vermögensrechnungen einbezogenen Gesamtvermögen gelten. Das Versorgungs- bzw. Rentenvermögen nimmt dagegen ab.


58 Ausreißer bei der Verteilung der Vermögensbestände sind einzelne, atypisch sehr hohe Werte.

59 Als Median wird jener Wert bezeichnet, "der eine nach ihrer Größe geordnete Reihe von Meßwerten halbiert" (Benninghaus, 1996: 125).

60 Dies geschieht, um dieselbe Untersuchungseinheit, die auch den Erhebungen ASID und AVID zu Grunde liegt, zu verwenden.

61 Um die unterschiedliche Haushaltsgröße zu berücksichtigen, wurden die Werte mit Äquivalenzziffern gewichtet. Da es keine allgemein anerkannte Äquivalenzskala gibt, wurden die Werte verwendet, die auf einer Empfehlung der OECD beruhen; siehe Eggen (1998: 66).

62 Bedau, 1999: 676.

63 Die Vermengung von Alters-, Perioden und Kohorteneffekten in der Literatur führt immer wieder zu Fehlschlüssen über die Vermögensakkumulation im Lebenszyklus; siehe als ein Beispiel aus jüngster Zeit Thiele (1998: 154 ff.)

 
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Vorwort

Kapitel

Ressourcen des Alters aus individueller und gesellschaftlicher Perspektive

Wechselwirkungen zwischen individueller und gesellschaftlicher Verantwortung

Chancen und Anforderungen des Alters

Kompetenzen älterer Menschen

Ressourcen für ein mitverantwortliches Leben: Das Engagement älterer Menschen in sozialen Beziehungen sowie für unsere Gesellschaft

Kapitel 2

Altersbilder

Kapitel 3

Gesundheit und Versorgungssystem als Ressource

Die gesundheitliche Qualität der gewonnenen Jahre – bisherige Entwicklung und Perspektiven der behinderungsfreien Lebenserwartung

Somatischer Gesundheitszustand

Psychischer Gesundheitszustand

Pflegebedürftigkeit — statistische Angaben

Gesundheits- und Pflegeversorgung

Therapie- und Versorgungsaspekte: Die Potenziale zur Behandlung älterer Patienten mit psychischen Störungen

Pflegerische Versorgung

Perspektiven der Finanzierung und Vergütung einer integrierten Versorgung

Kapitel 4

Arbeit und Arbeitswelt als Ressource

Erwerbsbeteiligung, Erwerbslosigkeit und Erwerbsformen Älterer

Ältere Arbeitnehmer aus betrieblicher Perspektive

Zur Veränderung betrieblicher Personalpolitik

Ressourcen, Einbußen und Kompensationsmöglichkeiten älterer Arbeitnehmer

Der Übergang in den Ruhestand

Kapitel 5

Ökonomische Ressourcen im Alter

Quellen und Determinanten der Einkommens- und Vermögenssituation im Alter

Zur Einkommenslage im Alter in den neunziger Jahren - Unterschiede und Entwicklungslinien

Heterogenität der Einkommenslage in Westdeutschland

Armut im Alter

Vermögensbestände

Entwicklungstendenzen der Einkommenslage I: Einige Ergebnisse der AVID ’96

Entwicklungstendenzen der Einkommenslage II: Ergebnisse der Simulationsstudien

Kapitel 6

Soziale Ressourcen

Austausch und Hilfe in sozialen Netzwerken

Bürgerschaftliches Engagement

Kapitel 7

Räumliche, infrastrukturelle und technische Umwelten als Ressource

Kapitel 8

Rechtliche Umwelt als Ressource

Kapitel 9

Literaturliste