Entwicklungstendenzen der Einkommenslage I: Einige Ergebnisse der AVID ’96


Allgemeine Informationen

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Die Erhebung AVID ’96 liefert eine Vielzahl interessanter Informationen über die Ansprüche bzw. Anwartschaften der im Jahre 1995 vierzig bis unter sechzig Jahre alten Frauen und Männer, die in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert sind. Diese Ansprüche werden auf das 65. Lebensjahr hochgerechnet, also für einen Rentenbeginn zwischen 2000 und 2020.

Im Folgenden wird auf einige markante Ergebnisse dieser Untersuchung hingewie- sen. Um sie besser beurteilen zu können, werden sie Resultaten der Erhebungen "Alterssicherung in Deutschland", die in Abschnitt 5.3 dargestellt wurden, gegenüber gestellt. Beim Vergleich mit den Ergebnissen dieser Erhebungen ist zu beachten, dass sich die AVID ’96 nur auf die Grundgesamtheit der in der GRV im Jahre 1995 Versicherten bezieht und nicht auf alle Personen der jeweiligen Kohorten 64. Weiterhin muss beachtet werden, dass die Berechnung der GRV Anwartschaften auf den "aktuellen Rentenwerten" des Jahres 1996 beruhen, die 46,67 DM für West- und 38,38 DM für Ostdeutschland je Entgeltpunkt betragen haben. Eine Angleichung der Werte zwischen West- und Ostdeutschland erfolgte in den Modellrechnungen nicht. Ginge man von einer weiteren Angleichung aus, so würde dies entweder eine deutliche Erhöhung der Anwartschaften für ostdeutsche Personen oder eine ebenfalls deutliche Reduzierung der Anwartschaften für westdeutsche Personen mit sich bringen. Weiterhin ist bei der Beurteilung der AVID-Angaben zu beachten, dass hierbei vom Rechtsstand des Jahres 1996 ausgegangen wird. Auch ist darauf hinzuweisen, dass in der GRV zwar für ab dem 1. Januar 1992 geborene Kinder drei Jahre Kindererziehungszeit angerechnet werden, davon profitieren die der Untersuchung zu Grunde liegenden Kohorten auf Grund der Altersstruktur allerdings nur selten. In der Regel wird den Personen ein Jahr Kindererziehungszeit angerechnet.

In Tabelle 5-11 sind die Relationen zwischen West- und Ostdeutschland der jeweilig ausgewiesenen Durchschnittseinkommen aus der ASID für 1992 und der Ergebnisse der AVID ’96 zusammengestellt. 64 Dies hat beispielsweise zur Folge, dass die Anwartschaften aus Alters- sicherungssystemen der Personen, die im Jahr 1995 verbeamtet oder selbstständig waren, nicht erhoben wurden und daher die projizierten Anwartschaften auf das Netto-Alterseinkommen der jeweiligen Gruppen tendenziell zu niedrig ausgewiesen wird.

Relative Höhe der Durchschnittswerte von Nettoeinkommen 1992 sowie der projizierten Anwartschaften auf Netto- Alterseinkommen im 65.Lebensjahr

  Relation Ost zu West*
Familienstand ASID ’92 AVID ’96
Frauen in %
Alle 61,9 106,2
Verheiratet absolut 63,5 122,7
Gewichtet** 63,6 122,8
Verwitwet 65,9 98,9
Geschieden / getrennt lebend 57,6 77,9
Ledig 56,5 61,2
Männer
Alle 61,4 63,7
Verheiratet absolut 62,1 61,6
Gewichtet** 62,0 61,6
Verwitwet 53,2 70,1
Geschieden / getrennt lebend 58,4 74,4
Ledig 48,7 70,3

* Einkommen und Anwartschaften ostdeutscher Männer bzw. Frauen in Prozent des Einkommens und der Anwartschaften Westdeutscher Frauen bzw. Männer (je nach Familienstand)

* * Division der den Berechnungen zu Grunde liegenden Beträge durch 1,7.

Quelle: Fachinger 1999, Tab. 3, auf der Grundlage von Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung 1994a, Tabellen B- 149, B-150, B-236 und B-237, sowie Verband Deutscher Rentenversicherungsträger & Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung 2000: 107 u. 180.


Betrachtet man die Relationen zwischen West- und Ostdeutschland, so zeigt sich nach den Angaben der AVID ’96 bei Männern und alleinstehenden Frauen eine beträchtliche Angle ichung im Vergleich zu den für 1992 nachgewiesenen Werten, bei den verheirateten Frauen sogar ein höheres Niveau in Ostdeutschland 65.

Neben diesen allgemeinen Angaben ist der Entwicklungstrend der (errechneten Alters-) Einkommen von der ältesten zur jüngsten AVID-Kohorte von Interesse. In der Tabelle 5-12 sind die entsprechenden Angaben für die projizierten Netto-Alterseinkommen wiedergegeben.

Projizierte Anwartschaften auf Netto-Alterseinkommen im 65. Lebensjahr nach Kohorten und Geschlecht differenziert, AVID ’96

  Frauen Männer
West Ost West Ost
DM / Monat DM / Monat
Alle 1.245 1.322 2.618 1.668
1936 bis 1940 1.136 1.246 2.622 1.652
1941 bis 1945 1.257 1.329 2.659 1.690
1946 bis 1950 1.269 1.334 2.555 1.661
1951 bis 1955 1.335 1.386 2.634 1.669


  Relation Ost zu West,
in %
Relation Frauen zu Männern,
in %
Frauen Männer West Ost
Alle 134,0 63,7 47,6 79,3
1936 bis 1940 145,4 63,0 43,3 75,4
1941 bis 1945 134,4 63,6 47,3 78,6
1946 bis 1950 130,9 65,0 49,7 80,3
1951 bis 1955 125,0 63,4 50,7 83,0

Quelle: Verband Deutscher Rentenversicherungsträger / Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung 2000: 92 u. 162, sowie eigene Berechnungen.



Es zeigt sich, dass es bei den Frauen zu einer Zunahme der Anwartschaften für die jeweils jüngeren Geburtskohorten kommt und dass sich insgesamt tendenziell die Anwartschaften von Frauen zwischen West- und Ostdeutschland annähern. Dies resultiert daraus, dass tendenziell die altersgruppenspezifischen Anwartschaften westdeutscher Frauen stärker zunehmen als die ostdeutscher Frauen: bei den Frauen in Westdeutschland von der ältesten zur jüngsten Kohorte um etwa 17,5 Prozent, in Ostdeutschland um rund 11,2 Prozent. Demgegenüber sind die Differenzen zwischen den Kohorten bei den Männern – mit Ausnahme der zwischen 1946 und 1950 Geborenen, Westdeutschland – eher unbedeutend. Dies führt im Endergebnis auch zu einer „Angleichung“ der Anwartschaften zwischen Frauen und Männern bei den jüngeren Kohorten.


65 Die den Relationen zu Grunde liegenden absoluten Beträge sind allerdings auf Grund methodisch anderer Abgrenzungen nicht ohne weiteres vergleichbar. So sind unter anderem in der AVID ’96 Erwerbseinkommen – insbesondere des Ehepartners – nicht berücksichtigt. Da Männer im Durchschnitt höhere Erwerbseinkünfte erzielen als Frauen, führt dies zu größeren Differenzen bei verheirateten Frauen.

Weiter zu:

Die Anwartschaften in der GRV und ihre Bedeutung im Gesamteinkommen

Die Anwartschaften aus ergänzenden Sicherungssystemen

 
link Gerontologie

Vorwort

Kapitel

Ressourcen des Alters aus individueller und gesellschaftlicher Perspektive

Wechselwirkungen zwischen individueller und gesellschaftlicher Verantwortung

Chancen und Anforderungen des Alters

Kompetenzen älterer Menschen

Ressourcen für ein mitverantwortliches Leben: Das Engagement älterer Menschen in sozialen Beziehungen sowie für unsere Gesellschaft

Kapitel 2

Altersbilder

Kapitel 3

Gesundheit und Versorgungssystem als Ressource

Die gesundheitliche Qualität der gewonnenen Jahre – bisherige Entwicklung und Perspektiven der behinderungsfreien Lebenserwartung

Somatischer Gesundheitszustand

Psychischer Gesundheitszustand

Pflegebedürftigkeit — statistische Angaben

Gesundheits- und Pflegeversorgung

Therapie- und Versorgungsaspekte: Die Potenziale zur Behandlung älterer Patienten mit psychischen Störungen

Pflegerische Versorgung

Perspektiven der Finanzierung und Vergütung einer integrierten Versorgung

Kapitel 4

Arbeit und Arbeitswelt als Ressource

Erwerbsbeteiligung, Erwerbslosigkeit und Erwerbsformen Älterer

Ältere Arbeitnehmer aus betrieblicher Perspektive

Zur Veränderung betrieblicher Personalpolitik

Ressourcen, Einbußen und Kompensationsmöglichkeiten älterer Arbeitnehmer

Der Übergang in den Ruhestand

Kapitel 5

Ökonomische Ressourcen im Alter

Quellen und Determinanten der Einkommens- und Vermögenssituation im Alter

Zur Einkommenslage im Alter in den neunziger Jahren - Unterschiede und Entwicklungslinien

Heterogenität der Einkommenslage in Westdeutschland

Armut im Alter

Vermögensbestände

Entwicklungstendenzen der Einkommenslage I: Einige Ergebnisse der AVID ’96

Entwicklungstendenzen der Einkommenslage II: Ergebnisse der Simulationsstudien

Kapitel 6

Soziale Ressourcen

Austausch und Hilfe in sozialen Netzwerken

Bürgerschaftliches Engagement

Kapitel 7

Räumliche, infrastrukturelle und technische Umwelten als Ressource

Kapitel 8

Rechtliche Umwelt als Ressource

Kapitel 9

Literaturliste