Ökonomische Ressourcen im Alter


Zu den Schwerpunkten des Kapitels und zu wichtigen Datenquellen

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Eine Analyse des Umfangs und der Struktur "ökonomischer Ressourcen im Alter" bedarf der Präzisierung im Hinblick darauf, welche Ressourcen in den Blickpunkt gerückt werden sowie ob es um die den älteren Menschen zur Verfügung stehenden Ressourcen geht oder auch um die Nutzung dieser Ressourcen im Sinne ihrer Verwendung für sich und andere. Die Nutzung der ökonomischen Ressourcen im Alter, beispielsweise in Form von intrafamiliären Transfers, ist nicht Gegenstand dieses Kapitels (vgl. hierzu Kapitel 5). In diesem Kapitel erfolgt eine Einschränkung hinsichtlich der im Alter verfügbaren ökonomischen Ressourcen auf Einkommen und Vermögen, also auf wichtige Elemente der materiellen Ressourcen von Personen bzw. Haushalten, die man vereinfachend als finanzielle Ressourcen bezeichnen kann. Welche Komponenten dabei zu berücksichtigen sind und welche Determinanten auf sie einwirken, wird einleitend skizziert. Dies dient insbesondere dazu, um zu verdeutlichen, dass die finanziellen Ressourcen im Alter zum erheblichen Teil geprägt sind durch Bedingungen und Entscheidungen (individuelle und gesellschaftliche) in vorgelagerten Lebensphasen, insbesondere in der Erwerbsphase, aber auch durch Bedingungen und Entscheidungen (individuelle und gesellschaftliche) in der Altersphase. Zudem soll neben dieser die Verlaufsperspektive betonenden Sicht der Tatbestand verdeutlicht werden, dass ein hohes Maß an Heterogenität hinsichtlich der finanziellen Ressourcen im Alter besteht. Diese Heterogenität bezieht sich dabei u.a.

  • auf die Situation in West- und Ostdeutschland,
  • zwischen Geschlechtern,
  • je nach Haushalt- und Familienkonstellationen.

Heterogenität resultiert aber auch daraus, dass auf Grund gestiegener Lebenserwartung, insbesondere auch im höheren Erwachsenenalter, sich in der Lebensphase "Alter" eine immer größere Zahl von Geburtsjahrgängen befinden.

In diesem Kapitel stehen also - wie zumeist - die monetären Komponenten ökonomischer Ressourcen im Zentrum. Die Betrachtung von Realtransfers, so u.a. durch Bereitstellung von Sachleistungen im Haushaltsverbund, bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen und bei Pflegebedürftigkeit, erfolgt in den Kapiteln 3 und 5.

Für die Beurteilung der monetären Komponenten sind allerdings Umfang und Struktur der Sachleistungen (Realtransfers) aus dem System der sozialen Sicherung, z.B. bei Krankheit und Pflegebedürftigkeit, von erheblicher Bedeutung. Der Zusammenhang mit den monetären Größen ist unmittelbar ersichtlich, wenn z.B. bei Beeinträchtigungen der aktiven eigenständ igen Lebensführung Einkommen und Vermögen eingesetzt werden können, um beispielsweise Dienstleistungen ergänzend am Markt zu kaufen32.

In diesem Kapitel wird zunächst auf Quellen von Einkommen und Vermögen im Alter sowie dafür wichtige Einflussfaktoren eingegangen, bevor in kompakter Form ein Überblick über empirische Informationen hierzu vermittelt wird. Dieser bezieht sich auf die neunziger Jahre, wobei die Aufmerksamkeit generell auf die Differenziertheit der Situation – auch zwischen den Geschlechtern – und insbesondere auf Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland sowie einigen hier inzwischen eingetretenen Veränderungen gelenkt werden soll. Sodann werden anhand einiger ausgewählter Informationen einige sich abzeichnende Entwicklungstendenzen dargestellt, bevor abschließend exemplarisch verdeutlicht werden soll, dass die künftige finanzielle Lage im Alter maßgebend mitgeprägt wird durch sozial- und steuerrechtliche Entsche idungen und Bedingungen.

Dieses Kapitel ist somit nicht speziell den seit langem und auch derzeit wieder intensiv diskutierten Fragen einer "Rentenreform" gewidmet. Wohl aber wird anhand einiger Beispiele zu verdeutlichen versucht, welche Konsequenzen für die künftige finanzielle Lage im Alter einige der diskutierten Maßnahmen haben könnten.

Die empirischen Befunde, die in diesem Kapitel herangezogen werden, basieren zum erheblichen Teil auf einer Expertise von U. Fachinger (1999), die für die Kommission erstellt wurde. In ihr wird auch ausführlich auf unterschiedliche Datenquellen und deren Aussagefähigkeit eingegangen. 33 Die Datenlage zur Charakterisierung der Einkommenslage im Alter hat sich in den letzten Jahren durch verschiedene spezielle Erhebungen und zusammenfassende Darstellungen verbessert. Zu nennen sind dabei im Hinblick auf die jeweils in der Altersphase befindliche Population die Untersuchungen über die " Alterssicherung in Deutschland" der Jahre 1992 und 1995 sowie die zum Teil hierauf basierenden Darlegungen im "Alterssicherungsbericht" der Bundesregierung, weiterhin die Einkommens- und Verbrauchsstichproben des Statistischen Bundesamtes, die jeweils durch hinreichend großen Stichprobenumfang auch eine differenzierte Analyse von Personen- bzw. Haushaltsgruppen ermöglichen34. Hinzu treten weitere Quellen, zu denen insbesondere das sozio-ökonomische Panel sowie prozessproduzierte Daten u.a. der Rentenversicherungsträger und die neugestaltete Sozialhilfestatistik gehören. Schwieriger - und datenmäßig weniger gut belegt - sind bislang Aussagen über die mögliche Einkommenslage künftiger Kohorten in ihrer Altersphase. Hierzu liegen nun erstmalig durch die 1996 durchgeführte Erhebung "Altersvorsorge in Deutschland ’96" (AVID ’96) Informationen vor für im Jahre 1996 40- bis 60-jährige Personen und deren Ansprüche. Diese Ansprüche werden errechnet unter der Annahmen unveränderten Leistungsrechts und beziehen sich auf das Alter 65 Jahre. Es handelt sich also um Berechnungsergebnisse für Personen und Ehepaare, die zwischen 2001 und 2021 das 65. Lebensjahr vollenden. Erste Ergebnisse wurden Anfang 2000 veröffentlicht 35. Eine tiefergehende detaillierte Auswertung dieser umfangreichen Datenquelle stand zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts noch aus.

Trotz dieser im Vergleich zu früheren Perioden verbesserten Situation (vgl. hierzu u. a. die Aussagen der Transfer Enquête-Kommission 1981: 15) bleiben dennoch Lücken im Kenntnisstand, sowohl was die Möglichkeiten einer detaillierten Analyse für bestimmte Gruppen der Bevölkerung als auch was die Aktualität von Daten betrifft. So standen Informationen der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Jahres 1998 zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts nur begrenzt zur Verfügung, da bis dahin erst ein geringer Teil der Informationen aufbereitet worden war bzw. zur Verfügung stand). Folglich liegen Angaben über die am Ende des 20. Jahrhunderts bestehenden finanziellen Ressourcen von Haushalten älterer Menschen nur in Teilaspekten vor. Die ASID ’95 enthält Informationen zur Mitte der neunziger Jahre, wobei allerdings als wichtige Einschränkung zu beachten ist, dass die Angaben für Westdeutschland nicht auf einer repräsentativen Umfrage, sondern auf einer Fortschreibung von Ergebnissen des Jahres 1992 (ASID ’92) beruhen. Für Ostdeutschland wurde dagegen 1995 auf Grund der seit 1992 eingetretenen erheblichen Veränderungen eine Erhebung durchgeführt.

Im Vergleich zur Datenlage hinsichtlich monetärer Einkommen ist die Situation bezüglich repräsentativer statistischer Daten zur Vermögenslage ungünstiger. In der Bundesrepublik Deutschland existiert keine Statistik, die auch nur annähernd den gesamten Vermögensbestand privater Haushalte erfasst. Während auf der Aggregatsebene, z. B. im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung des Statistischen Bundesamtes oder der Finanzierungsrechnung der Deutschen Bundesbank, noch Angaben zu bestimmten Vermögensbeständen vorliegen, sind auf der Haushaltsebene keine Informationen verfügbar, die eine umfassende Darstellung der Vermögensverteilung erlauben würden36. Verteilungsaussagen über die Vermögensbestände privater Haushalte lassen sich bislang im Prinzip nur auf der Basis der Einkommens- und Verbrauchsstichproben des Statistischen Bundesamtes ableiten.

Bei der Interpretation der Informationen ist weiter zu berücksichtigen, dass dann, wenn auf unterschiedliche Datenquellen zurückgegriffen werden muss - was notwendigerweise der Fall ist -, eine mangelnde Einheitlichkeit sich allein schon aus unterschiedlichen Definitionen von Variablen ergibt. Es fehlt nach wie vor eine nach einheitlichen Gesichtspunkten aufgebaute, aktuelle und hinreichend detaillierte Verteilungsberichterstattung für die Bundesrepublik Deutschland, aus der auch Informationen über die finanziellen Ressourcen älterer Menschen bzw. von Haushalten, in denen ältere Menschen leben, abgeleitet werden können.

32 Der Umfang der hierfür erforderlichen finanziellen Mittel hängt u.a. von den immateriellen Ressourcen ab, die im Alter verfügbar sind. Hierzu zählt das immaterielle Humanvermögen im Sinne erworbener Kompetenz zur aktiven eigenständigen Lebensführung auf Grund von Erfahrungen und Bildung - also der Kompetenz, mit Situationen und Tatbeständen umzugehen. Ebenso gehören hierzu die immateriellen familialen und/oder nachbarschaftlichen Ressourcen (sozialen Ressourcen) im Sinne von Möglichkeiten, auf ein Netzwerk in Form von Zuwendung u.ä. unterstützend zurückgreifen zu können (siehe Kapitel 5); vgl. Schmähl 1999: 7 f, zur Unterscheidung von immateriellen und materiellen Ressourcen.

33 Vgl. ergänzend auch den Überblicksbeitrag von Schmähl und Fachinger (1999).

34 Siehe Hauser (1999).

35 Für einen knappen Überblick siehe Kortmann und Schatz (1999). Eine Vielzahl von tabellarisch aufbereiteten Ergebnissen ist veröffentlicht in Verband Deutscher Rentenversicherungsträger / Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (2000).

 
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Vorwort

Kapitel

Ressourcen des Alters aus individueller und gesellschaftlicher Perspektive

Wechselwirkungen zwischen individueller und gesellschaftlicher Verantwortung

Chancen und Anforderungen des Alters

Kompetenzen älterer Menschen

Ressourcen für ein mitverantwortliches Leben: Das Engagement älterer Menschen in sozialen Beziehungen sowie für unsere Gesellschaft

Kapitel 2

Altersbilder

Kapitel 3

Gesundheit und Versorgungssystem als Ressource

Die gesundheitliche Qualität der gewonnenen Jahre – bisherige Entwicklung und Perspektiven der behinderungsfreien Lebenserwartung

Somatischer Gesundheitszustand

Psychischer Gesundheitszustand

Pflegebedürftigkeit — statistische Angaben

Gesundheits- und Pflegeversorgung

Therapie- und Versorgungsaspekte: Die Potenziale zur Behandlung älterer Patienten mit psychischen Störungen

Pflegerische Versorgung

Perspektiven der Finanzierung und Vergütung einer integrierten Versorgung

Kapitel 4

Arbeit und Arbeitswelt als Ressource

Erwerbsbeteiligung, Erwerbslosigkeit und Erwerbsformen Älterer

Ältere Arbeitnehmer aus betrieblicher Perspektive

Zur Veränderung betrieblicher Personalpolitik

Ressourcen, Einbußen und Kompensationsmöglichkeiten älterer Arbeitnehmer

Der Übergang in den Ruhestand

Kapitel 5

Ökonomische Ressourcen im Alter

Quellen und Determinanten der Einkommens- und Vermögenssituation im Alter

Zur Einkommenslage im Alter in den neunziger Jahren - Unterschiede und Entwicklungslinien

Heterogenität der Einkommenslage in Westdeutschland

Armut im Alter

Vermögensbestände

Entwicklungstendenzen der Einkommenslage I: Einige Ergebnisse der AVID ’96

Entwicklungstendenzen der Einkommenslage II: Ergebnisse der Simulationsstudien

Kapitel 6

Soziale Ressourcen

Austausch und Hilfe in sozialen Netzwerken

Bürgerschaftliches Engagement

Kapitel 7

Räumliche, infrastrukturelle und technische Umwelten als Ressource

Kapitel 8

Rechtliche Umwelt als Ressource

Kapitel 9

Literaturliste