Familienstandsentwicklung


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Mit Blick auf den abnehmenden Anteil der durch die Kriegseinflüsse früh verwitweten oder unverheiratet gebliebenen Frauen in der Altenpopulation ist für ältere Frauen zu erwarten, dass der Anteil Verheirateter unter ihnen künftig zunehmen wird (siehe Kapitel 6.1.5). Dazu trägt auch die historisch überaus hohe Erstheiratshäufigkeit der in den dreißiger Jahren Geborenen bei. Nach Berechnungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung haben von den 1930 bis 1940 geborenen westdeutschen Frauen 95 bis 96 Prozent geheiratet.92 Auch der Anstieg der Lebenserwartung trägt zu einem wachsenden Anteil von Ehepaaren unter den alten Menschen bei. Wenn immer mehr Männer und Frauen ein hohes Alter erreichen, steigt die Wahrscheinlichkeit, zusammen alt zu werden. So ist es im Verlauf dieses Jahrhunderts zu einem wesentlichen Anstieg der mittleren Ehedauer gekommen. Ein Paar, das 1870 die Ehe einging, lebte im Durchschnitt 23,4 Jahre zusammen. Partner, die sich um 1970 das Jawort gaben und sich nicht scheiden lassen, können damit rechnen, dass ihre Ehe im Durchschnitt erst nach 43 Jahren durch den Tod eines Partners endet (Lutz 1985, zit. in Beck-Gernsheim 1993: 159).

Bei den Geburtsjahrgängen nach 1940 hat der Anteil derer, die unverheiratet bleiben, wieder zugenommen. Besonders unter den Männern in den alten Bundesländern steigt der Anteil dauerhaft Lediger. Während vom Jahrgang 1935 nur 6,5 Prozent ledig blieben, werden von den 1950 geborenen Männern voraussichtlich 19 Prozent nicht heiraten (Engstler 1998b: 85).

Die Wahrscheinlichkeit, unverheiratet ins Rentenalter zu kommen, nimmt auch auf Grund der gestiegenen Scheidungshäufigkeit der Ehen und der rückläufigen Wiederheiratsrate Geschiedener zu. Während von den 1950 geschlossenen Ehen im früheren Bundesgebiet bis zum 25. Ehejahr nur rund 10 Prozent geschieden wurden, waren es von den 1975 im Westen und Osten Deutschlands geschlossenen Ehen bereits 30 Prozent (Dorbritz & Gärtner 1998: 423). Auch langjährige Ehen werden immer öfters geschieden. Zwar sind Ehescheidungen nach dem 25. Ehejahr immer noch vergleichsweise selten (1995: 2,5 Promille der 30-jährigen Ehen); aber auch das Scheidungsrisiko nach der "Silberhochzeit" hat sich seit Beginn der 80er Jahre verdoppelt (ebd.). Zugleich ist die Wahrscheinlichkeit, nach einer Scheidung nochmals zu heiraten, gesunken; bei Frauen und Scheidungen im höheren Alter stärker als bei Männern und jünger Geschiedenen (Dorbritz 1998; Engstler 1998a).

Es ist zu erwarten, dass die rückläufige Heiratshäufigkeit, die stark gestiegene Zahl der Scheidungen (zusammengefasste Scheidungsziffer 1996: 32,4 %) bei zunehmendem Scheidungsrisiko langjähriger Ehen und die abnehmende Wiederheirats- neigung Geschiedener langfristig wieder zu einer Zunahme partnerlos alternder Menschen führen wird. In nächster Zukunft wird jedoch die Elterngeneration der Baby-Boomer die Lebensformen im Alter prägen. Von diesen haben – historisch betrachtet – sehr viele geheiratet und werden auch als ältere Menschen sehr viele verheiratet sein.


92 Von diesen Frauenjahrgängen sind im Westen 5 bis 6 Prozent, im Osten jedoch fast doppelt so viele ledig geblieben. Den höchsten Erstheiratsumfang erzielten dort die um 1950 geborenen Frauen.

 
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