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Zukünftige Entwicklung der Lebensformen älterer Menschen

Eine aktuelle Modellrechnung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) gibt einen Eindruck von den kommenden Veränderungen der Lebensformen im dritten und vierten Lebensalter. Es handelt sich dabei um eine Makrosimulation auf der Grundlage von Annahmen zu den alters- und geschlechts- spezifischen Familienstandswechseln, demographischen Ereignissen und Haushaltszugehörigkeiten, wie sie für das Basisjahr 1996 aus verschiedenen Datenquellen der amtlichen und halbamtlichen Statistik zusammengestellt werden konnten. Für die Zukunft wird dabei überwiegend von einer Fortgeltung der zuletzt festgestellten Profile der einzelnen familiendemographischen Ereignisse ausgegangen. 93 Bezüglich der Lebenserwartung wurde von einem weiteren Anstieg gemäß der niedrigen Variante bei Birg et al. (1998) ausgegangen. 94 Das zu erwartende Migrationsgeschehen wurde in der Modellrechnung des BiB aus datenökonomischen Erwägungen ausgeblendet, indem ein ausgeglichener jährlicher Migrationssaldo in jeder Altersgruppe unterstellt wurde. Die für Männer und Frauen getrennt durchgeführte Simulation beschränkt sich daher im Aggregat auf die weitere Entwicklung der Lebensformen der Bevölkerung von 1996 und deren Nachkommen. Die Aussagekraft für die oberen Altersgruppen dürfte durch das Ausklammern des Migrationsgeschehens nicht wesentlich eingeschränkt sein. Lebensformen der Männer im Alter von 65 und mehr Jahren, 2000 – 2040 (in Prozent) | Alter und Haushaltstyp | Jahr | Veränderung 2000 - 2040 | | 2000 | 2020 | 2040 | | in Prozent | in %-Punkten | | 65 – 79 Jahre: | | In Gemeinschaftsunterkunft (Heim etc.) | 1,2 | 2,6 | 5,6 | + 4,4 | Alleinlebend (im Einpersonenhaushalt) darunter: ledig oder geschieden verwitwet | 16,6 6,6 9,9 | 23,3 16,5 6,8 | 35,1 30,8 4,3 | + 18,5 + 24,2 - 5,7 | Mit (Ehe)Partner, ohne Kinder1) darunter: in nichtehelicher Partnerschaft | 70,5 1,5 | 61,1 2,3 | 47,5 4,8 | - 23,0 + 3,3 | | Mit (Ehe)Partner und Kind(ern) | 10,2 | 10,0 | 7,0 | - 3,2 | | Ohne (Ehe)Partner, mit Kind(ern) | 1,4 | 0,9 | 0,7 | - 0,7 | | Sonstige Lebensform | 0,2 | 2,1 | 4,1 | + 3,9 | | Insgesamt (in Tsd.) | 4 631,2 | 5 736,4 | 6 585,2 | + 42,2 | | 80 und mehr Jahre: | | In Gemeinschaftsunterkunft (Heim etc.) | 5,3 | 5,4 | 7,4 | + 2,1 | Alleinlebend (im Einpersonenhaushalt) darunter:ledig oder geschieden verwitwet | 33,8 3,8 30,0 | 35,5 10,3 25,2 | 39,0 20,2 18,8 | + 5,2 + 16,5 - 11,3 | Mit (Ehe)Partner, ohne Kinder darunter:in nichtehelicher Partnerschaft | 51,7 1,7 | 50,5 2,0 | 43,5 3,5 | - 8,2 + 1,8 | | Mit (Ehe)Partner und Kind(ern) | 4,7 | 5,5 | 6,9 | + 2,2 | | Ohne (Ehe)Partner, mit Kind(ern) | 4,4 | 3,1 | 3,2 | - 1,2 | | Sonstige Lebensform | / | / | / | / | | Insgesamt (in Tsd.) | 792,7 | 2 080,6 | 2 691,4 | + 239,5 |
1) eigene Kinder oder die des Partners im gleichen Haushalt, ohne Altersbegrenzung.
Quelle: eigene Zusammenstellung aus Daten der Lebensformen- Modellrechnung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (Mai 2000; Hullen 2000); Wie aus Tabelle 6-3 und Tabelle 6-4 zu erkennen ist, wird es im Laufe der kommenden vier Jahrzehnte zu beträchtlichen Veränderungen bei den Lebensformen der deutlich zunehmenden Zahl alter Menschen kommen, besonders unter den Männern.
Der Anteil alleinlebender Männer im Alter von 65 bis 79 Jahren wird sich – nach den Modellannahmen – voraussichtlich von knapp 17 Prozent im Jahr 2000 auf 35 Prozent im Jahr 2040 verdoppeln, wobei der Großteil dieses Anstiegs in der zweiten Hälfte des Projektions- zeitraums – also nach 2020 - stattfinden wird. Hauptursache für diese Entwicklung ist die Zunahme lediger und geschiedener alleinlebender Männer. Ihr Anteil wird sich von 7 auf 31 Prozent erhöhen, während der der alleinlebenden Witwer im Alter von 65 bis 79 Jahren sinken wird. Korrespondierend zur Zunahme Alleinlebender wird der Anteil der mit einer Partnerin zusammenlebenden Männer zurück gehen, vor allem der der Verheirateten, während das nichteheliche Zusammenleben auch im Alter an Bedeutung gewinnen wird. Die Quote der unter 80-jährigen Senioren mit – erwachsenen - Kindern im Haushalt wird sich bis 2020 kaum und danach etwas stärker verringern. Unter Fortschreibung der gegenwärtigen altersspezifischen Häufigkeit des Lebens im Heim werden in vier Jahrzehnten fünfeinhalb Prozent der 65- 79-jährigen Männer in Einrichtungen leben, gegenüber heute einem Prozent.
Bei den hochbetagten Männern (ab 80 Jahren) wird die Verlagerung von den Paarhaushalten zu den Einpersonenhaushalten schwächer ausfallen. Zwar verfünffacht sich auch bei ihnen der Anteil alleinlebender Lediger und Geschiedener voraussichtlich (von 4 Prozent im Jahr 2000 auf 20 Prozent im Jahr 2040). Auf Grund der steigenden Lebenserwartung wird jedoch der Anteil alleinlebender Witwer von 30 auf 19 Prozent zurückgehen und der Anteil hochbetagter Männer mit Partnerin im Haushalt in den nächsten beiden Jahrzehnten weitgehend konstant bleiben und anschließend etwas sinken. Innerhalb der hoch- altrigen Männer in Einpersonenhaushalten kommt es demnach hauptsächlich zu einer Umschichtung von den Verwitweten zu den Ledigen und Geschiedenen.
Der Anteil der im Heim untergebrachten hochaltrigen Männer wird in den nächsten 20 Jahren nicht und danach etwas steigen. Die absoluten Zahlen der männlichen Heimbewohner werden jedoch auf Grund der insgesamt stark steigenden Zahl der hochbetagten Männer (2000-2040: +240 Prozent) beträchtlich zunehmen. Bei der Interpretation dieser Zahlen ist allerdings zu beachten, dass mögliche Veränderungen in den Versorgungsformen und -arrangements Pflegebedürftiger und des Gesundheitszustands alter Menschen in dieser Modellrechnung nicht berücksichtigt werden.
Die Lebensformen älterer Frauen werden sich anders verändern als die der Männer. Der Anteil alleinlebender Witwen wird erheblich zurückgehen, bei den Frauen ab 80 Jahren von derzeit knapp 58 Prozent auf nur noch 37 Prozent im Jahr 2040. Bis 2020 wird der Anteil alleinlebender lediger und geschiedener Seniorinnen nur wenig steigen, danach stärker. Per saldo wird es unter den Frauen ab 80 Jahren immer weniger Alleinlebende geben (2000: 66 Prozent; 2040: 51 Prozent); bei den Seniorinnen unter 80 Jahren wird ihr Anteil in den ersten zwei Jahrzehnten zurückgehen (von 44 auf 37 Prozent), anschließend wieder etwas steigen (2040: 41 Prozent). Lebensformen der Frauen im Alter von 65 und mehr Jahren, 2000 – 2040 (in Prozent) | Alter und Haushaltstyp | Jahr | Veränderung 2000 - 2040 | 2000 | 2020 | 2040 | | in Prozent | in %-Punkten | | 65 – 79 Jahre: | | In Gemeinschaftsunterkunft (Heim etc.) | 1,4 | 1,5 | 2,6 | + 1,2 | Alleinlebend (im Einpersonenhaushalt) darunter:ledig oder geschieden verwitwet | 44,0 10,4 33,6 | 36,5 14,6 22,0 | 40,6 26,9 13,7 | - 3,4 + 16,5 - 19,9 | Mit (Ehe)Partner, ohne Kinder1) darunter:in nichtehelicher Partnerschaft | 46,1 2,4 | 53,3 3,4 | 44,0 4,9 | - 2,1 + 2,5 | | Mit (Ehe)Partner und Kind(ern) | 4,2 | 5,3 | 6,3 | + 2,1 | | Ohne (Ehe)Partner, mit Kind(ern) | 4,1 | 2,3 | 3,0 | - 1,1 | | Sonstige Lebensform | 0,3 | 1,0 | 3,4 | + 3,1 | | Insgesamt (in Tsd.) | 6 412,7 | 6 840,9 | 7 557,9 | + 17,9 | | 80 und mehr Jahre: | | In Gemeinschaftsunterkunft (Heim etc.) | 13,2 | 12,0 | 13,8 | + 0,6 | Alleinlebend (im Einpersonenhaushalt) darunter: ledig oder geschieden verwitwet | 65,6 8,2 57,5 | 57,5 9,3 48,2 | 50,7 14,0 36,7 | - 15,1 + 5,8 - 20,8 | Mit (Ehe)Partner, ohne Kinder darunter:in nichtehelicher Partnerschaft | 10,7 0,9 | 25,4 4,9 | 27,3 5,0 | + 16,6 + 4,1 | | Mit (Ehe)Partner und Kind(ern) | 0,7 | 1,4 | 3,1 | + 2,4 | | Ohne (Ehe)Partner, mit Kind(ern) | 9,8 | 3,6 | 5,1 | - 4,7 | | Sonstige Lebensform | / | / | / | / | | Insgesamt (in Tsd.) | 2 119,2 | 3 551,2 | 4 463,2 | + 110,6 |
1) eigene Kinder oder die des Partners im gleichen Haushalt, ohne Altersbegrenzung.
Quelle: eigene Zusammenstellung aus Daten der Lebensformen-Modellrechnung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (Mai 2000; Hullen 2000);
Umgekehrt wird der Anteil der Frauen mit Ehemann oder Lebenspartner in den nächsten zwanzig Jahren bei beiden Altersgruppen stark zunehmen, bei den Seniorinnen ab 80 Jahren auf das Zweieinhalbfache (zwischen 2000 und 2020 von 11 auf 27 Prozent). Zwischen 2020 und 2040 wird die Quote der hochaltrigen Frauen mit Partner dann das erreichte Niveau in etwa halten, während sie bei denen unter 80 Jahren wieder auf das heutige Niveau zurückgehen wird. Mit dem sinkenden Anteil der Witwen, wozu auch das Auslaufen der kriegsbedingten Einflüsse auf die Familienstands- struktur beiträgt, geht auch der Anteil hochbetagter partnerloser Frauen zurück, die bei einem ihrer Kinder wohnen (von 10 Prozent im Jahr 2000 auf 4 Prozent im Jahr 2020).
Der Anteil der in stationären Einrichtungen lebenden alten Frauen wird sich nach den Ergebnissen der Modellrechnung nicht erhöhen.
Befürchtungen, wonach es in den nächsten Jahrzehnten auf Grund des familialen Wandels zu einem zunehmenden Anteil älterer Menschen ohne partnerschaftliche und familiale Bindung kommen werde, sind daher zu relativieren. Der Anteil der Seniorinnen mit Partner wird nicht ab- sondern zunehmen, besonders kräftig unter den Hochbetagten. Die hochaltrige Frau der Zukunft wird nicht mehr typischerweise die alleinlebende Witwe sein. Das Alltagsbild wird in steigenden Maße auch bei den über 80-Jährigen durch die partnerschaftlichen Lebensformen geprägt werden, die zudem in hohem Maße auch das strukturell gegebene Potenzial der Unterstützung durch erwachsene Kinder beinhalten. Erst in der ferneren Zukunft wird sich diesen Haupttypen die wachsende Minderheit der ledig gebliebenen und geschiedenen Frauen hinzu gesellen.
Etwas berechtigter könnten Befürchtungen einer zukünftig schwächer und fragiler werdenden sozialen Integration alter Menschen durch abnehmende partnerschaftliche und familiale Bindungen sein, wenn man den Blick auf die zu erwartenden Lebensformen älterer Männer richtet. Der Anteil Verheirateter wird abnehmen, der der Alleinlebenden steigen; allerdings in den kommenden zwei Jahrzehnten noch nicht so sehr bei den Hochaltrigen, sondern bei den Senioren unter 80 Jahren. Hauptträger dieser Entwicklung sind die ledig gebliebenen und geschiedenen Männer; der Anteil Verwitweter wird sinken. Ob mit der Zunahme lediger und geschiedener älterer Männer auch die Gefahr sozialer Isolation steigt, kann nicht beurteilt werden. Diesen Männern wird größtenteils schon vor Erreichen des Seniorenalters bewusst sein, dass sie im Alter nicht auf den Kontakt und die Hilfe einer Partnerin und meist auch nicht auf die von Kindern werden zählen können. Dies wird sie zumindest motivieren, andere dauerhafte und tragfähige soziale Beziehungen aufzubauen und zu pflegen. In welchem Maße ihnen dies gelingen wird, lässt sich heute noch nicht sagen. Bisherige Forschungsergebnisse lassen immerhin vermuten, dass die sozialen Beziehungen Alleinstehender zu Personen außerhalb der Kernfamilie etwas vielfältiger sind. Allerdings zeigen Studien auch, dass sie nicht so belastbar sind wie die familialen Bande.
Alles in allem lässt der vorsichtige Blick in die Zukunft eine abnehmende Dominanz der bislang typischen Lebensformen im Alter erkennen. Die älteren Männer der Zukunft werden nicht mehr im selben Maße wie heute als Ehemänner alt werden, und von den Frauen werden weniger bereits als Witwe Seniorin werden oder eine großen Teil dieser Altersphase als solche verbringen. Das Spektrum der Lebensformen im Alter wird vielfältiger, die Verteilung der Alten der Zukunft auf dieses Spektrum breiter.
93 So etwa hinsichtlich der alters- und geschlechts- spezifischen Muster der Heirats- und Scheidungs- häufigkeit,der Bildung und Trennung nichtehelicher Lebensgemeinschaften, der Fertilität, des Auszugs der Kinder aus dem Elternhaus und des Wohnens in einer Gemeinschaftsunterkunft. 94 Anstieg der Lebenserwartung 65-Jähriger von 1996 bis 2040 um 4 Jahre (Männer) und 4,6 Jahre (Frauen).
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