Erwerbsbeteiligung von Männern und Frauen


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In den Altersgruppen zwischen 30 und 50 Jahren ist die Erwerbsbeteiligung sehr hoch. Die geschlechtsspezifische Beteiligung am Erwerbsleben unterscheidet sich in den Regionen Deutschlands: In den alten Bundesländern sind Männer häufiger am Erwerbsleben beteiligt als Frauen, wobei der Anteil von Frauen im historischen Verlauf zunimmt. Bei den verheirateten Frauen in den alten Bundesländern geht die Erwerbsquote in der Altersgruppe zwischen 30 und 40 Jahren auffällig zurück, wofür der Eintritt in die Phase der Familiengründung und der Kindererziehung verantwortlich sein dürften. Nach Abschluss dieser Phase verändern Frauen ihr Erwerbsverhalten und kehren verstärkt in das Erwerbsleben zurück. In den neuen Bundesländern zeigt sich eine deutlich andere Situation. Die Erwerbsbeteiligung von Frauen ist höher als jene der Frauen in den alten Bundesländern und verläuft in den jeweiligen Altersgruppen auf nahezu gleichem Niveau mit den Erwerbsquoten der Männer. Hier sind es vor allem die verheirateten Frauen, die relativ am häufigsten am Erwerbsleben beteiligt sind. Ein ausgeprägter Rückgang der Erwerbsbeteiligung im Zuge der Familiengründungsphase ist nicht festzustellen. Die hohe Erwerbsbeteiligung von Frauen in den neuen Bundesländern erklärt sich unter anderem aus der früheren staatlich gewünschten und geförderten Einbeziehung der Frauen in die Beschäftigungsverhältnisse der ehemaligen DDR. Dies ermöglichte auch eine leichtere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Diese Prägungen wirken im Erwerbsverhalten weiter fort (Hülser 1996).

Ab dem Alter von 55 Jahren zeigt sich – bei Männern wie bei Frauen – ein Rückgang der Erwerbsbeteiligung, der sich ab dem Alter von 60 Jahren drastisch verschärft. Ebenfalls ab dem Alter von 55 Jahren zeigt sich ein sprunghafter Anstieg der Erwerbslosigkeit. Beide Trends zeigen sich in beiden Regionen Deutschlands, sind aber in den neuen Bundesländern deutlich stärker ausgeprägt. Vor allem die massive Freisetzung älterer Erwerbspersonen über Vorruhestandsregelungen und Regelungen zum Altersübergang hat die Erwerbsquoten beeinflusst (Michel 1999). Zugleich sind die tradierten Altersgrenzen der ehemaligen DDR beim Erwerbsverhalten weiter wirksam. Die gesetzliche Altersgrenze für Frauen lag generell bei 60 Jahren. Besonders auffällig ist der deutliche Anstieg der Erwerbsquoten bei den 55- bis 59- jährigen Männern und Frauen in den neuen Ländern. Da der Weg des Austritts aus dem Erwerbsleben mit der Abschaffung der Vorruhestands- und Altersübergangsregelungen seit 1993 verschlossen wurde, steigt die Erwerbsbeteiligung in dieser Altersgruppe massiv an, allerdings vor allem durch die Zunahme der Zahl von Erwerbslosen. Die Erwerbsbeteiligung von Erwerbspersonen in einem Alter von über 65 Jahren ist derzeit von marginaler Bedeutung. In den neuen Bundesländern erreicht sie statistisch deutlich geringere Werte als in den alten Bundesländern, und zwar sowohl bei Männern als auch bei den Frauen. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass es sich in der Mehrzahl kaum um reguläre Beschäftigungsverhältnisse handeln dürfte, die entweder ausgeübt oder angestrebt werden.

Es zeigt sich anhand dieser Daten, dass die Ressourcen des Arbeitslebens älteren Arbeitnehmern schon erheblich vor der "Regelaltersgrenze" zunehmend schwieriger zugänglich sind. Der langjährige Trend sinkender Erwerbsbeteiligung der Menschen, die das 50. Lebensjahr überschritten haben, hat sich zwar verlangsamt; eine generelle Trendumkehr ist jedoch noch nicht erkennbar. Und es sind vor allem die älteren Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, die überproportional von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind (Bäcker 1996).

Hinzuweisen ist allerdings auch auf die deutlichen Unterschiede in der Entwicklung der Erwerbsbeteiligung von Männern und Frauen in den letzten Jahren. Während bei zunehmend mehr Männern bereits nach Vollendung des 50. Lebensjahrs berufliche Probleme auftreten und der Anteil Erwerbstätiger unter ihnen weiter gesunken ist (insbesondere bei den 50- bis 54-Jährigen), hat sich die Erwerbstätigenquote der Frauen ab 50 Jahren erhöht (Tabelle 4-1). Besonders ausgeprägt ist diese Zunahme bei den 55- bis 59-jährigen Frauen: Der Anteil erwerbstätiger Frauen dieses Alters stieg zwischen 1992 und 1998 von 35,9 auf 43,6 Prozent(Statistisches Bundesamt 1999).


Tabelle 4-1: Erwerbstätigenquote der Frauen und Männer, 1998

Alter (in Jahren) Frauen Männer
1992 1998 1992 1998
Prozent
50 – 54 59,1 61,1 88,9 82,1
55 – 59 35,9 43,6 67,0 64,1
60 – 64 9,2 11,3 28,5 27,0

Quelle: eigene Berechnungen aus Angaben in Statistisches Bundesamt, Fachserie 1, Reihe 4.1.1: Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit (versch. Jahrgänge)

 
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