Burout Syndrom  
   
 

Burnout-Syndrom

altenpflege-krankenpflege-linie

Bewältigungsstrategien bei Burnout bei Frauen

Autorin: Kathrin Georgius


GLIEDERUNG

0. Einleitung 3

1. Begriffsklärungen 4

2. Der Burnout-Zyklus und seine Stadien 5

2.1. Stadium 1: Der Zwang sich zu beweisen 6

2.2. Stadium 2: Verstärkter Einsatz 7

2.3. Stadium 3: Subtile Vernachlässigungen eigener Bedürfnisse 8

2.4. Stadium 4: Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen 9

2.5. Stadium 5: Umdeutung von Werten 10

2.6. Stadium 6: Verstärkte Verleugnung der aufgetretenen Probleme 11

2.7. Stadium 7: Rückzug 12

2.8. Stadium 8: Beobachtbare Verhaltensänderungen 13

2.9. Stadium 9: Depersonalisation/Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit 14

2.10. Stadium 10: Innere Leere 16

2.11. Stadium 11: Depression 17

2.12. Stadium 12: Völlige Burnout-Erschöpfung 18

3. einige Bewältigungsmöglichkeiten 19

3.1. Wie Sie das Verleugnen "verlernen" können 19

3.2. Zwölf Punkte zur Burnoutverhütung und -rekonvaleszenz 21

3.3. Weitere Möglichkeiten 22

4. Literaturverzeichnis 24



0.EINLEITUNG

Burnout ist ein Phänomen, daß erst seit kurzer Zeit Forschungsgegenstand ist. Daher ist es kaum verwunderlich, dass es die verschiedensten Ansätze der unterschiedlichsten Wissenschaftler mit einer unübersehbaren Anzahl von Bewältigungsstrategien gibt.

"Wenn Ihr Leben nur noch aus einer Abfolge von inneren und
äußeren Belastungen besteht und wenn Sie merken, daß sich
Ihre Persönlichkeit, Ihr Lebenslust, Ihre Einstellungen und
Ihre Leistungsfähigkeit gegenüber dem Zustand von vor sechs
Monaten negativ entwickelt haben, dann bietet Ihnen das
Konzept des Burn-out sicherlich eine Grundlage, mit der Sie
Ihr Elend analysieren können."

Dieses Zitat stammt aus dem Buch "Burn-out bei Frauen. Über das Gefühl des Ausgebranntseins" von Herbert Freudenberger und Gail North. Aus diesem Werk möchte ich Bewältigungsstrategien bei Burnout in praktisch verwendbarer Form aufzeigen. Allerdings können nicht alle Bewältigungsstrategien dargelegt werden, da dies den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.



Sind Sie persönlich betroffen???

Immer mehr Menschen fühlen sich "ausgebrannt", d.h. innerlich leer. Wir sind alle ganzheitliche Wesen, früher auch biopsychosoziale Einheit genannt:
Kopf, Herz und Hand
Geist, Seele und Körper
Verstand, Gefühle und Körper
Erbe, Umwelt und Persönlichkeit.
Doch warum werden wir krank? Warum fühlen wir uns nicht gesund? Warum sind wir innerlich zerrissen?
Viele lassen sich vom Verstand leiten und hören nicht auf ihre Gefühle oder ihren Körper. Wir wollen im Leben viel erreichen und da stören Gefühle oder ein Körper. Wir wollen um jeden Preis funktionieren. Wir gönnen uns kaum noch eine Pause. Wir ziehen selten Bilanz und erleben unser Leben immer mehr als Pflicht oder Zwang.
Warum befinden sich so viele Menschen in einer Krise und finden keinen Ausweg?
Wir hören zu lange auf unseren Verstand und plötzlich fühlen wir uns krank. Unsere Gefühle wollen uns signalisieren:
"Du machst was falsch. Ändere deinen Lebensstil. Wir halten es nicht mehr aus, so zu leben."
Doch wir bleiben weiter bei unseren Lebensgewohnheiten. Vielleicht gehen wir auch zum Arzt. Doch dieser stellt keine organische Ursache fest und stempelt uns möglicherweise als Hypochonder (eingebildeter Kranker) ab.
Doch nach einiger Zeit zieht endlich unser Körper eine Notbremse. Wir werden "wirklich" krank. Nun kommt es auf unsere Reaktion an. Wenn wir uns ausruhen und "gesund" werden, ist der Körper ein wenig zufrieden. Haben wir aber zu lange auf ihn nicht geachtet und "Raubbau" betrieben, wird dies nicht reichen. Er verlangt eine gründliche Änderung unseres Lebensstils. Meist sind wir aber nicht fähig, die Alarmsignale unseres Körpers richtig zu deuten. Wir gehen weiter unserer Tätigkeit nach und so "fühlt" sich der Körper gezwungen, härtere Notbremsen zu ziehen. Wir werden krank und kränker und eines Tages fühlen wir uns"ausgebrannt". Der Akku ist leer. Wir stehen vor dem Problem des eigenen Burnout und wissen nicht, was wir tun sollen.
Wir wollen gesund werden. Wir wollen die frühere Vitalität zurückgewinnen. Dies ist das Ziel dieses Leitfadens. Er gibt praktische Hilfestellungen und möchte Ihnen wieder ein lebenswertes Leben schenken.

1. BEGRIFFSKLÄRUNGEN

Burnout bei Frauen - eine Definition

" Burnout ist ein Energieverschleiß, eine Erschöpfung aufgrund
von Überforderungen, die von innen oder von außen - durch
Familie, Arbeit, Freunde, Liebhaber, Wertsysteme oder die
Gesellschaft - kommen kann und in einer Person Energie, Bewäl-
tigungsmechanismen und innere Kraft raubt. Burnout ist ein
Gefühlszustand, der begleitet ist von übermäßigem Streß, und
der schließlich persönliche Motivationen, Einstellungen und
Verhalten beeinträchtigt." ((1), S. 27)

Dauer-Burnout:

- entwickelt sich oft aus einer Familiendynamik, die die
Unterdrückung der eigenen körperlichen und emotionalen
Bedürfnisse gefördert hat
- ständige Sorge, die Bedürfnisse und Launen derer um sich
herum vorauszuahnen und dadurch ständig unter Druck
- eine Folge der lebenslänglichen Nichtbeachtung des körper-
lichen und emotionalen Wohlbefindens

akutes Burnout:

- kein durchgängiges Muster
- Zustand, der aus einer oder mehreren Situationen entsteht,
die entweder selbst- oder fremdauferlegt sind
- Bemühen um Erfüllung aller äußeren Notwendigkeiten, nur
nicht um eigene entscheidende innere Bedürfnisse

Verleugnungsmechanismen:

- Unterdrücken
- Verschiebung
- Ironisierung
- Projektion
- Phantasien
- Selektives Gedächtnis
- Lügen
- Sich selbst abstempeln
- Selektives Nichtverstehen

Streßverstärker:

- zurückgehaltene Wut
- verleugnete Aggressionen
-vernachlässigte Bedürfnisse
- Schuldgefühle
- niedriges Selbstwertgefühl

einige Gründe für das Ausbrennen von Frauen:


- Überfürsorglichkeit
- Vereinsamung
- Ohnmachtsgefühle
- Selbständigkeit und Abhängigkeit
- Mangel an Fürsorge
- Ablehnen von Abhängigkeitswünschen
- Konflikte zwischen ihren Gefühlen und Bedürfnissen und
dem Verhalten und der Erscheinung nach außen

2. DER BURNOUT-ZYKLUS UND SEINE STADIEN

Stadium 1: Der Zwang sich zu beweisen
Stadium 2: Verstärkter Einsatz
Stadium 3: Subtile Vernachlässigungen eigener Bedürfnisse
Stadium 4: Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen
Stadium 5: Umdeutung von Werten
Stadium 6: Verstärkte Verleugnung der aufgetretenen Probleme
Stadium 7: Rückzug
Stadium 8: Beobachtbare Verhaltensänderungen
Stadium 9: Depersonalisation/Verlust des Gefühls für die
eigene Persönlichkeit
Stadium 10: Innere Leere
Stadium 11: Depression
Stadium 12: Völlige Burnout-Erschöpfung

2.1. Stadium 1: Der Zwang sich zu beweisen

Merkmale:

- verbissene Entschlossenheit zu Erfolg, Leistung und
Eroberung
- Einsamkeitsgefühle
- Nichtanerkennen der Möglichkeit von Grenzen oder
Rückschlägen
- Idealismus
- Tatendrang
- unklares Leistungsbedürfnis auf der Basis eines niedrigen
Selbstwertgefühls
- Perfektionstreben
- zwanghafte und vielleicht selbstüberfordernde Denk- und
Verhaltensmuster
- schwankendes Selbstvertrauen
- negatives Selbstbild
- Ohnmachtsgefühle
- Minderwertigkeitsgefühle

Sofortmaßnahmen:

- Machen Sie sich Ihre zwanghaften und vielleicht selbst-
überfordernden Denk- und Verhaltensmuster klar.
- Versuchen Sie, den Punkt zu bestimmen, an dem Ihr Leistungs-
wunsch in einen Zwang umschlägt.
- Fangen Sie an, Ihr Tempo auf ihre eigenen, natürlichen
Rhythmen und Reaktionen einzustimmen.

2.2. Stadium 2: Verstärkter Einsatz

Merkmale:

- mangelnde Bereitschaft, Arbeit, Verantwortung oder Hausar-
beiten zu delegieren
- Mißtrauen der Fähigkeiten anderer
- extreme Gewissenhaftigkeit
- Die Beziehung oder Aufgabe bekommt eine oft unerträgliche
Dringlichkeit
- lang unterdrückte Unsicherheiten
- Inkompetenz- und Abhängigkeitsängste

Sofortmaßnahmen:

- Delegieren Sie Verantwortung an andere.
- Das mag Ihnen schwerfallen, erleichtert jedoch den Streß
und viele Ängste und durchbricht den Drang zu erhöhtem
Einsatz.

2.3. Stadium 3: Subtile Vernachlässigung der eigenen


Bedürfnisse

Merkmale:

- reduzierte Aufmerksamkeit für sich selbst und die persön-
lichen Bedürfnisse
- kleinere Pflichten und Freuden des Alltags oft als unnötige
Störungen empfunden und Neigung, diese zu vergessen
- keine Zeit für sich selbst
- übermäßige Ernsthaftigkeit
- Verlieren des Sinnes für Humor
- nicht mehr von Herzen lachen können, statt dessen dünn
lächeln
- Teilnahme an den Unterhaltungen und Interaktionen in irgend-
einer Form, jedoch nur ansatzweise eine angemessene Reaktion
- Beginn der Vermeidung von Sozialkontakten unter verschiedenen
Vorwänden
- evt. Erlahmen des sexuellen Interesses
- kaum merkbare oder auch drastische Veränderung der Gewohnhei-
ten
- Der Wunsch, sich selbst etwas zu gönnen, wird immer unwichti-
ger

Sofortmaßnahmen:

- Versuchen Sie, Ihre Verleugnungsmechanismen zu erkennen und
zu durchbrechen.
- Erstellen Sie eine Liste der nötigen Aufgaben, die Sie ver-
säumt haben.
- Arbeiten Sie sie nacheinander ab.
- Wenn Sie aufhören, alles aufzuschieben, vermindern Sie Ihre
Ängste.
- Achten Sie außerdem auf Ihre Ernährung und Ihr Ruhe- und
Pflegebedürfnis.
- Wenn Sie immer nur rasch geduscht haben, nehmen Sie ausgiebi-
ge Bäder.
- Verwöhnen Sie sich selbst.
- Versuchen Sie, Ihren Sinn für Humor wiederzugewinnen, ohne
ihn als Verleugnungswerkzeug zu benutzen.
- Damit können Sie sich leichter entspannen und vielleicht eine
ausgeglichenere Sicht Ihrer wahren Bedürfnisse
wiedererlangen.

2.4. Stadium 4: Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen

Merkmale:

- Auffallen der eigenen inneren Konflikte und des
unausgeglichenen Empfindens und Verhaltens
- Der Konflikt wird als Bedrohung und Störung empfunden.
- Bewältigungsmechanismen zu Blockierung des Bewußtwerdens
des Konfliktes, zur Verleugnung und Unterdrückung der Angst
und zur Verdrängung des Konfliktes zusammen mit den eigenen
Bedürfnissen
- alles ist wichtiger als Sie selbst
- Wenn der Zwang, sich zu beweisen, bedroht ist, stärken Sie
Ihre Verteidigung und stürzen mit erneuter Entschlossenheit
in den Kampf.
- Nichternstnehmen der eigenen Aussagen wie z.B. " Wenn ich
promoviert habe, trete ich kürzer."
- Bedürfnis, allein zusein
- sich zurückziehen
- wenig Energie für Intimität
- fühlen sich besser, wenn Sie "in Ruhe" gelassen werden
- in sportliche Aktivitäten stürzen
- falsch, unregelmäßig oder gar nichts essen wegen angeblich
nicht vorhandener Zeit
- ständig um das Gewicht kreisende Gedanken
- Konzentration auf unerwünschte Pfunde
- strenge Diäten
- zwanghaftes Kalorienzählen
- zuviel Geld ausgeben
- Zeichen echter,chronischer Müdigkeit
- Gefahr eines körperliches Zusammenbruchs

Sofortmaßnahmen:

- Weisen Sie Ihre Freunde, Kollegen oder Familienmitglieder
nicht ab.
- Hören Sie Ihnen zu.
- Es gibt Augenblicke im Leben, da müssen Sie auf warnende
Stimmen hören.
- Es ist unbedingt notwendig, daß Sie sich Zeit zum
Ausschlafen, zum Gespräch mit anderen und zur Selbst-
reflexion nehmen.
- Eine strenge Diät oder ein neues sportliches Trainingspro-
gramm sind jetzt nicht angemessen.
- Strapazieren Sie ihre geistige, körperliche und emotionale
Widerstandskraft nicht noch mehr.

2.5. Stadium 5: Umdeutung von Werten

Merkmale:

- Unterscheidung zwischen dem Wichtigen (dem Realen) und dem
Unwichtigen (dem Irrealen) schwierig
- ständiges Übergehen der ureigensten Bedürfnisse
- gestörter Zeitbegriff:
* die Zeit schrumpft auf die Gegenwart zusammen
* Wegschieben der Vergangenheit und Zukunft
* Durchtrennung der Beziehungen zur Vergangenheit und
Zukunft
- Bemühen, sich und andere unter Kontrolle zu haben, alles
im Griff und "einfach in Ordnung" zu halten, wird zur
absoluten Notwendigkeit
- Durch Kontrollieren kann die unerträgliche, nagende Angst,
die immer mehr stört, in Schach gehalten werden.
- Sie messen Ihren Wert als Mensch daran, wie Sie sich in Ihren
Kindern, Ihrem Partner, Ihrer Familie, Ihrem Haus, Ihrer
Kleidung, Ihrem Eigentum oder Ihrer beruflichen Kompetenz
widerspiegeln.
- falsche Wahrnehmung von Beziehungen
- nicht mehr richtige Einschätzung von solcher Erfahrungen
- Gefühle wie Desorientiertheit und Verwirrung

Sofortmaßnahmen:

- Nehmen Sie sich heute mindestens eine halbe Stunde Zeit, um
Ihre Grundwerte zu überprüfen.
- Schreiben Sie auf, was und wer Ihnen wichtig ist.
- Gehen Sie die Verbindungen zu anderen Menschen, die Sie
früher hatten durch und versuchen Sie entschlossen - sofern
diese Menschen erreichbar sind -, diese Verbindungen wieder
anzuknüpfen.
- Es ist entscheidend, daß Sie Einsamkeit und Isolation ver-
meiden.
- Je mehr Sie vereinsamen, desto unklarer denken Sie.
- Ohne Rückmeldung kreisen Ihre Gedanken immer um sich selbst.
- Sie brauchen Nähe und Intimität, um Ihre Empfindungsfähigkeit
wiederzubeleben.

2.6. Stadium 6: Verstärkte Verleugnung der aufgetretenen Probleme

Merkmale:

- Verleugnung:= Sie nehmen sich nicht bewußt vor, Empfindungen,
starke Gefühle, Ängste oder Enttäuschungen zu verleugnen -
Sie schützen sich damit vor den Schattenseiten und
Anforderungen des Lebens.
- Verschärfung der subtilen Vernachlässigung von Stadium 3 und
Ausweitung auf eine ganze Reihe von Situationen, Personen und
Wahrnehmungen
- Verengung der Weltsicht
- Wenn Sie merken, daß Sie sich zu den jeweiligen Ereignissen
zwar verhalten, aber nichts Entsprechendes fühlen, dann ist
die Verleugnung am Werk.
- Nichtzulassen der Beeinflussung durch andere
- Meiden, Übergehen oder Abschreckung aller Menschen, die an
Ihrem Leben teilnehmen wollen
- kritische Vereinsamung und Gefahr der völligen Isolation
- Intoleranz
- ohne die Energie, das Interesse oder die Fähigkeit zuzuhören
oder sich auf andere einzulassen
- neue Ideen, Vorstellungen oder interessante Vorschläge werden
als Forderungen erlebt und meistens zurückgewiesen
- Unfähigkeit, Uneindeutigkeiten oder Widersprüche auszuhalten
- Abschottung gegen die Außenwelt
- im Extremfall: keinerlei Aufmerksamkeit an internationalen,
nationalen oder lokalen Ereignissen oder Intellektualisieren
der Verleugnung
- Immer mehr erscheint Ihnen trivial oder unwichtig.
- Unfähigkeit etwas aufzunehmen
- Ungeduld, zu den zurückzukehren, was Sie für wichtig und
dringend halten
- Projektion Ihrer Ängste und Unsicherheiten auf die Außenwelt
- Bagatellisieren gut gemeinter Ratschläge
- generelles Unterstellen finsterer Motive
- allmähliches Verlieren des sozialen Netzwerkes

Sofortmaßnahmen:

- Hören Sie sich selbst aufmerksam zu.
- Wenn Ihre Sprache vor Zynismus und Bitterkeit strotzt,
nehmen Sie das als Zeichen von Burnout und nicht als
Realität.
- Sie müssen mit anderen über Ihre Gefühle und Ihre Neigung
zur Selbstisolierung reden.
- Sie dürfen keine weiteren Aufgaben mehr übernehmen.
- Die Intoleranz, die Sie an sich erleben, ist symptomatisch
für erschöpte Energiereserven.

2.7. Stadium 7: Rückzug

Merkmale:

- innerliches Zurückziehen von der Umgebung
- Distanzieren von sich selbst
- Verleugnung von Gefühlen
- Gefühl vonOrientierungs- und Hoffnungslosigkeit
- Zynismus
- andere zurückstoßen oder zu erschöpft, um noch auf Anfor-
derungen der Umwelt zu reagieren und demzufolge erleben als
überflüssig, wertlos, als ein Nichts
- weitere Abnahme des Urteilsvermögens
- paranoides Denken
- die besten Freunde sind oft Fernsehen, Musik, Bücher oder
das Kino
- keine wirkliche Teilnahme am Leben, sondern Flucht in
Illusionen oder Schlaf
- Erstarren der Spontanität
- Sie halten die äußere Form menschlicher Tätigkeit ein, doch
ohne jegliches Gefühl
- automatisches Essen ohne Genuß
- konventioneller und ernst "vollzogener" Sex
- Neigung, tiefe Desillusionierung auszuagieren und Reden vom
"Aussteigen"
- emotionale Verflachung, Depression und häufige Tränenaus-
brüche o d e r
nicht mehr weinen können und "Verhärtung"
- Unfähigkeit, echten Kontakt zu anderen herzustellen
- Griff zu falschen Therapien wie Alkohol, Sex,
Beruhigungsmittel, Essen, Aufputschmittel, Drogen
-allumfassende Entfremdung

Sofortmaßnahmen:

- Wenn Sie zu falschen Therapien greifen, um neue Energie zu
gewinnen, dann halten Sie sich vor Augen, daß Sie so Ihre
wahren Gefühle und ihren körperlichen Zustand verschleiern.
- Lassen Sie die Finger von Alkohol und Drogen - sie sind kein
Gegenmittel gegen Ihr inneres Elend.
- Sehr oft können Sie den Rückzug bremsen, wenn Sie Anschluß an
andere suchen.
-Überfordern Sie sich jedoch nicht weiter, um zu beweisen,daß
es Ihnen "gut geht".
- Reden Sie mit jemandem, der sich schon früher als einfühlsam
erwiesen hat.
- Dieser Mensch Ihnen die Unterstützung anbieten, die Sie
brauchen, während Sie Ihre Selbstwahrnehmung zurechtrücken.
- Sie brauchen Ruhe und Entspannung.
- Sie benötigen vor allem etwas, das Sie freut und Ihnen neue
Kraft gibt.

    - Sie können noch umkehren.

2.8. Stadium 8: Beobachtbare Verhaltensänderungen

Merkmale:

- Kritikunfähigkeit
- keine Unterscheidungfähigkeit zwischen
einem Angriff
(was Sie am meisten fürchten)
und
Aufmerksamkeit, Unterstützung, Nähe und Intimität
(was Sie am meisten brauchen)
- noch mehr zurückziehen
- Neigung zur Eigenbrötlerei
- Urteilsfähigkeit auf subtile Weise beeinträchtigt
- telefonisch und postalisch schwer erreichbar
- halten sich besorgte Menschen vom Hals
- unter Umständen: Leiden unter paranoiden Gefühle und der
Überzeugung, daß Sie niemand wirklich mag.
- Unterhaltungen haben kaum noch Gehalt - Sie springen von
einem Thema zum nächsten, weil Sie sich sonst langweilen
- kaum noch richtige oder nachsichtige Einschätzung von
Menschen und Situationen
- jegliche Flexibilität fehlt
- intensive und besessene Suche nach falschen Therapien
- Veränderung Ihrer Einstellungen
- tiefe Desillusionierung und Distanz
- Sie grollen, fühlen sich unterschätzt und bedroht von
denjenigen in Machtposition und verhalten sich in deren
Anwesenheit ängstlich.
- möglicherweise auch kaltes und abweisendes Verhalten oder
zuviel reden, um Unbehagen zu überspielen
- Wunsch zur Kontrolle über Ihre gespaltenen Weltsicht
(Ihrer Gefühle und Einstellungen)
- sehr radikale Verhaltensänderungen

Sofortmaßnahmen:

- Sie stehen am Scheideweg.
- Kapseln Sie sich jetzt vor allem nicht gegen andere Menschen
ab.
- HÖREN SIE AUF ANDERE!
- Irgendwo tief drinnen können Sie noch einsehen, daß an ihren
Beobachtungen etwas Wahres dran ist.

    - Statt sich noch stärkere Restriktionen aufzuerlegen, müssen

Sie sich von Ihrem Kontrollbedürfnis lösen und an sich heran-
lassen, was andere sehen, hören und sagen.
- Wenn eine Freundin ausbrennt, würden Sie auch wollen, daß sie
auf Sie hört.
- Versuchen Sie, Kritik und Besorgnis zu unterscheiden. Das ist
äußerst wichtig.
- Wenn Sie anfangen, sich zu erholen und wieder eine
Perspektive gewinnen, werden Sie sich fragen, warum Sie die
Anteilnahme und Fürsorge nicht schon früher angenommen haben.

2.9. Stadium 9: Depersonalisation/Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit

Merkmale:

- Depersonalisation:= das Gefühl, nicht mehr man selbst zu sein
- Nicht erkennen der eigenen Bedürfnisse
- keinerlei Logik und Verstand mehr spürbar
- totale Selbstverneinung: Ableugnung des eigenen Körpers und
der eigenen Person
- Sie verlieren den Kontakt zu sich selbst, zu Ihrem Körper, zu
Ihren Prioritäten, zu Ihrer persönlichen Zukunft und das
Gefühl dafür, was Ihnen Ihre Vernachlässigung raubt.
- Das bewußte Denken und Empfinden spielt kaum noch eine Rolle.
- Prioritäten bedeuten nichts mehr.
- Die Zeitperspektive ist auf den Augenblick, die unmittelbare
Gegenwart zusammengeschrumpft.
- Sie haben keinerlei Gefühl mehr dafür, wie Ihr Verhalten Ihre
Zukunft beeinflußt.
- Die Bedürfnisse der anderen sind bedeutungslos und vernach-
lässigbar.
- Die anderen existieren für Sie nicht.
- Sie selbst existieren nicht.
- Ihre Gefühle sind völlig von der Realität abgehoben.
- Ihr Verhalten wirkt kalt,distanziert, schwankend,
unberührbar.
- Sie funktionieren nur rein mechanisch.
- Ihr Leben scheint Ihnen entwurzelt und sinnlos.

Sofortmaßnahmen:

- Wenn Sie den Kontakt zu sich selbst und Ihrer Umgebung ver-
loren haben, ist das nicht so hoffnungslos, wie es sich an-
hört.
- Ein Teil von Ihnen weiß immer noch, daß Sie Hilfe brauchen.
- An dieser Stelle ist eine Beratung durch einen Spezialisten
angebracht.
- Sie sollten Ihren Internisten aufsuchen, um Ihren
Gesundheitszustand überprüfen zu lassen.
- Sie müssen wahrscheinlich für eine Weile von vielen Ihrer
Verpflichtungen Abstand nehmen und sich um Ihre Gesundheit
kümmern.
- Vielleicht wollen Sie auch Ihren Lebensstil umgestalten und
nach Alternativen suchen, die Ihrer Zwanghaftigkeit entgegen-
wirken.
- Doch dabei brauchen Sie Hilfe.
- Sie müssen sich eingestehen, daß Sie es allein nicht
schaffen.
- Wenn Sie mit einem Menschen, der Symptome von
Depersonalisation aufweist, befreundet sind, wenn Sie zu

seiner Familie gehören, mit ihm zusammenarbeiten oder ihn
lieben, dann drängen Sie diese Person, sich um professio-
nelle Hilfe zu bemühen.
- Schlagen Sie ihr vor, sie zum ersten Termin zu begleiten.
- Möglicherweise verhilft dies der - oder dem - Betroffenen
zu einer Einsicht bezüglich ihres Zwangs, "alles allein
machen" zu wollen.

2.10. Stadium 10: Innere Leere

Merkmale:

- Sie fühlen sich ausgehöhlt, leer, ausgezehrt, nutzlos
und erledigt.
- Es gibt noch einen schwachen Wunsch "aufzutanken".
- Alleinsaein ist eine Tortur für Sie, weil Sie dann mit sich
selbst konfrontiert sind.
- möglicherweise auch eine schwere Phobie
- Panikattacken
- Vereinsamung und innere Leere zwingen entweder dazu, mit der
Hektik weiterzumachen oder sich in die eigene Wohnung, d.h.
an einen sicheren Ort zurückzuziehen.
- Kalorienreiche Lebensmittel, die ein Zuhause, Wärme und Be-
friedigung symbolisieren, vermitteln das Gefühl von Ausge-
fülltsein und Regeneration.
- Weil das Leeregefühl ein Vakuum schafft, das danach schreit,
ausgefüllt zu werden, sehnen Sie sich nach jemandem, der
Ihnen die Verantwortung für Ihr Leben abnimmt.

Sofortmaßnahmen:


- Wenn Sie dieses Stadium erreicht haben, sind Sie vielleicht
alarmiert, wenn Sie sich mit den Symptomen identifizieren.
- Anerkennen und Identifikation ist Teil der wahren Therapie
des Burnout sind.
- Die Leere, die Sie spüren, ist eine direkte Folge von Ver-
nachlässigung, und das können Sie ändern.
- Sie brauchen den Beistand eines Spezialisten für Burnout
und Phobien, der Sie zurück zum Ursprung Ihrer Symptome
begleitet.
- Rufen Sie unbedingt einen Fachmann oder eine Fachfrau an
und vereinbaren Sie einen Termin.
- Falls Sie das nicht fertigbringen, bitten Sie jemanden, das
für Sie zu übernehmen.
- Dann haben Sie den ersten Schritt unternommen, um sich selbst
zu heilen und Ihren Lebensmut wiederzugewinnen.

2.11. Stadium 11: Depression

Merkmale:

- Ihnen ist alles egal.
- Ihr Leben erscheint Ihnen sinnlos, hoffnungslos und freudlos.
- Verzweiflung und Erschöpfung sind die vorherrschenden, wenn
nicht sogar die einzigen bewußten Gefühle.
- Wunsch nach Dauerschlaf
- keinerlei Initiative oder Motivation
- möglicherweise Selbstmordgedanken
- Selbsttötungsgedanken sind Ausdruck selbstschädigender
Gedanken.
- Sie fühlen sich als Versagerin: Ihr ganzes Leben wird in den
Sog dieses vermeintlichen Scheiterns hineingezogen.
- Das Selbstwertgefühl verschwindet völlig.
- extreme Verzweiflung und extremer Selbsthaß
- keinerlei Trennung zwischen Ihrem wahren Wert und Ihren
Gefühlen
- Im Grunde werden Sie zu Ihren negativen Gefühlen und sehen
keinen Ausweg mehr.
- Es ist daher für Sie schwierig, wenn nicht sogar unmöglich,
sich um sich selbst zu kümmern.
- Perioden von starken, schmerzhaften Emotionen und innerem
Abgestorbensein können miteinander abwechseln.
- Die Beziehungen sind häufig stark gefährdet.
- Sie können keinerlei Trost annehmen und verbreiten eine Art
Untröstlichkeit um sich.
- Sie sind tatsächlich existentiell ausgebrannt und erfassen
gewöhnlich die entscheidenden Konsequenzen Ihres Zustandes
nicht.

Sofortmaßnahmen:

- Das vernünftigste, was Sie an diesem Punkt unternehmen
können, ist ein Arztbesuch.
- Der Arzt soll das Ausmaß Ihrer Erschöpfung feststellen und
Ihnen Maßnahmen zur körperlichen Erholung nennen.
- Wenn Sie bis jetzt noch keinen Kontakt mit einem Psychologen,
Psychiater oder Psychotherapeuten aufgenommen haben, dann tun
Sie es h e u t e noch.
- Wenn Sie mit jemandem zusammenleben, bitten Sie ihn oder sie
um Hilfe,gegebenenfalls um Begleitung zum ersten Termin.
- Viele Menschen erleben ähnliche Burnout-Depressionen, wissen
jedoch nicht, daß man darüber hinwegkommen kann.
- Sie haben die Chance dazu, doch Sie sind jetzt dabei, Ihr
körperliches und geisiges Wohlbefinden zu gefährden.

2.12. Stadium 12: Völlige Burnout-Erschöpfung

Merkmale:

- Sie sind ausgepumpt bis zum Geht-nicht-mehr.
- Es gibt kein "Ich" mehr - die Sicherung ist durchgebrannt.
- Das Leben scheint sinnlos, gestaltlos, farblos.
- Die geistige und körperliche Erschöpfung von Stadium 12
ist lebensgefährlich.
- Ihr Immunsystem kann angegriffen sein, und Sie sind jetzt
anfällig für alle streßbedingten Krankheiten, von Herz-
und Kreislauferkrankungen bis zu Magen-Darm-Krankheiten.

Sofortmaßnahmen:

- Sie müssen wissen, daß Sie ein Recht, wenn nicht sogar die
Pflicht haben, professionelle Hilfe und Behandlung in
Anspruch zu nehmen.
- Das schließt eine umfassende medizinische Untersuchung und,
falls nötig, einen Krankenhausaufenthalt ein.
- Es ist unerläßlich, daß Sie auf Freunde, Familie, Partner
oder Kollegen hören und zulassen, daß Ihnen geholfen wird.
- Wenn eine völlige Burnout-Erschöpfung einsetzt. können Sie
gänzlich außerstande sein, Ihren Zustand richtig zu beur-
teilen.
- Stadium 12 stellt eine handfeste Krise dar.
- Es handelt sich um einen absoluten Notfall.

3. EINIGE BEWÄLTIGUNGSMÖGLICHKEITEN

3.1.Wie Sie das Verleugnen "verlernen" können

1. Gestehen Sie sich ein, daß Sie Burnout-gefährdet sind.
Versuchen Sie dann, mit Hilfe des Symptom-Zyklus die
Gefühle, Verhaltensweisen und Einstellungen zu identi-
fizieren, die Ihrem Erleben entsprechen. Wenn es bei
Ihnen "klingelt", übergehen Sie das nicht! Denken Sie
daran, daß Sie aufhören wollen, etwas zu verleugnen.
2. Erschöpfung fördert das Verleugnen und verzerrt Ihr
Urteilsvermögen Ruhen Sie sich unbedingt
aus. Achten Sie auf Ihren Körper und Ihre Ernährung. Es ist
zu schwierig, alte Verhaltensmuster zu erkennen, wenn Sie
ermüdet sind - Ihre Wahrnehmung wird dann ungenau.
Vielleicht nehmen Sie Vitamine, um sich aufzubauen. Konsul-
tieren Sie einen Ernährungsberater, und ernähren Sie sich
ausgewogen.
3. Betrachten Sie jetzt genau, wie sie in letzter Zeit mit sich
und Ihrer Umgebung umgegangen sind. Denken Sie über Menschen
und Situationen in starren Schwarz-Weiß-Kategorien? Ist Ihr
Verhalten unflexibel? Sind Sie sehr reizbar? Sind Ihre Tage
nur noch Routine? Haben Sie Spaß und Vergnügen - lachen Sie?
Versuchen Sie nicht, Ihre Antworten zu rechtfertigen. Sie
wollen jetzt eine genaue Bilanz des Umfangs Ihrer
Verleugnung ziehen.
4. Prüfen Sie jetzt die Vorbilder, die ihre Verleugnung
gefördert haben. Wem versuchen Sie zu gefallen? Welches Bild
von sich wollen Sie nach außen zeigen? Verhindert Ihr Recht-
fertigungsdrang den Ausdruck ihrer wahren Bedürfnisse? Ver-
suchen Sie herauszufinden, welche Stimme in Ihrem Kopf die
meiste Macht hat. Das "Müssen" und "Sollen" gehört zu einer
anderen Person aus der Vergangenheit, und die ist vorbei.
5. Sie können das Verleugnen "verlernen", indem Sie Ihre Kon-
trollmechanismen abbauen. Denken Sie darüber nach, was Sie
Freunden, Partnern, Familie verhehlt haben. Was würden Sie
ihnen gern von sich erzählen (wenn Sie könnten)? Welche
Mythen haben Sie sich zurechtgelegt, um diese Beziehungen
aufrechtzuerhalten? Seien Sie nicht mehr so streng mit sich.
6. Denken Sie darüber nach, was Sie mit einem freien Tag
anfangen würden. Wenn Sie bisher automatisch funktioniert
haben, können Sie Ihre Lebensgeister wecken, indem Sie sich
gönnen, was Ihnen wirklich Freude macht. Lassen Sie diesen
Schritt nicht aus, auch wenn Sie meinen, das, was Ihnen
Freude macht, vertrage sich nicht mit dem, was Sie erreichen
oder beweisen wollen.
7. Versuchen Sie jetzt herauszufinden, was in Ihrem beruflichen
und persönlichen Umfeld die Verleugnung auslöst. Verleugnen
Sie, daß Sie sich auf einer Arbeitsstelle, die Ihnen nicht
gefällt oder die eine Sackgasse ist, festgenagelt fühlen?
Ist Ihre Ehe in bloßer Höflichkeit festgefahren oder sexuell
tot? Treffen Sie sich mit einem Menschen, der verheiratet
oder schwer zugänglich ist oder der nicht auf Ihre

Bedürfnisse eingeht? Verleugnen Sie Ihr Bedürfnis nach
Intimität oder Liebe, weil Sie Angst haben, Sie könnten
es nicht befriedigen oder es störe Ihre Karrierepläne?
Nehmen Sie die Gelegenheit wahr und antworten Sie mit
absoluter Ehrlichkeit.
8. Denken Sie darüber nach, wie Sie Ihr Leben so umgestalten
könnten, daß Menschen eine Rolle spielen, bei denen Sie
sich ungezwungen fühlen und die Zeit für Sie haben. Lassen
Sie diese Maßnahme nicht aus, auch wenn Sie sie für
unmöglich halten. Benutzen Sie Ihre Phantasie, und setzen
Sie sich dann neue Ziele.
9. Übergehen Sie weder den Zusammenhang zwischen Ihrer Reiz-
barkeit und Ihrer Erschöpfung noch den zwischen Ihren
Schmerzen und Krankheiten und Ihrer Überlastung oder den
zwischen Ihrer Einsamkeit und Ihrem Kontrollwunsch. Wenn
Sie müde sind, sagen Sie es. Wenn Sie genug haben, sagen
Sie es. Wenn Sie sich zurückziehen möchten, sagen Sie es.
Wenn Sie nicht mehr geben können, hören Sie auf. Wenn Sie
etwas für sich haben wollen, bitten Sie darum.
10.Vermeiden Sie Isolation! Auch wenn Sie sich lieber
verkriechen möchten, verschaffen Sie sich Unterstützung und
Klärung durch andere. Niemand hat auf jede Frage eine Ant-
Wort parat, doch andere können Ihnen die eine oder andere
Einsicht vermitteln,die sich schließlich als stärkend und
ermutigend erweist. Gewöhnlich konfrontieren Freunde Sie im
Gespräch mit interessanten Blickwinkeln, und manchmal er-
öffnen sich unerwartet neue Alternativen. Überprüfen Sie
Ihre Denkmuster. Die Verleugnung zuzugeben ist der erste
Schritt zur "Besserung".
11. Versuchen Sie heute, wenn Sie Ihre Freunde fragen, wie es
Ihnen gehe, nicht zu sagen "gut". Sie müssen sich nicht lang
und breit erklären, aber antworten Sie ehrlicher. Die Nähe
wirkt wie ein Katalysator, der einen Großteil der Verleug-
nung unwirksam macht.
12. Machen Sie neue, andere Fehler. Festhalten an den alten
treibt Sie direkt in den Burnout. Neue Fehler sprechen
dafür, daß Sie die alten Schemata hinter sich lassen und
mit der Gewohnheit der Verleugnung brechen.

3.2. Zwölf Punkte zur Burnoutverhütung und -rekonvaleszenz

1. Hören Sie auf mit dem Verleugnen! Vertrauen Sie auf die
Weisheit Ihres Körpers. Gestehen Sie sich den Streß und
die Zwänge ein, die sich körperlich, geistig oder emotional
manifestiert haben.
2. Vermeiden Sie Isolation! Machen Sie nicht alles allein!
Knüpfen oder erneuern Sie enge Beziehungen zu Freunden und
Menschen, die Sie lieben.
3. Ändern Sie Ihre Lebensumstände! Wenn Sie Ihre Arbeit, Ihre
Beziehungen, eine Situation oder eine Person fertigmacht,
versuchen Sie, die Umstände zu ändern oder gehen Sie, falls
nötig.
4. Vermindern Sie Ihren verstärkten Einsatz! Greifen Sie die
Bereiche oder Aspekte heraus, in denen Sie sich am
massivsten überengagieren, und arbeiten Sie auf eine
Erleichterung dieses Drucks hin.
5. Hören Sie auf, sich überfürsorglich zu verhalten! Wenn Sie
gewohnheitsmäßig anderen Menschen Probleme und Pflichten
abnehmen, dann lernen Sie, höflich davon Abstand zu nehmen.
Versuchen Sie, dafür zu sorgen, daß Sie selbst fürsorglich
behandelt werden.
6. Lernen Sie "nein" zu sagen! Sie verringern Ihren übertriebe-
nen Einsatz, wenn Sie für sich selbst eintreten. Das
bedeutet, zusätzliche Forderungen oder Ansprüche an Ihre
Zeit oder Ihre Gefühle zurückzuweisen.
7. Fangen Sie an, kürzer zu treten und Abstand zu nehmen!
Lernen Sie zu delegieren, nicht nur am Arbeitsplatz,sondern
auch zu hause und im Freundeskreis. In diesem Fall bedeutet
ein Rückzug, daß Sie sich für sich selbst retten.
8. Geben Sie sich neue Werte! Versuchen Sie die bedeutsamen
Werte von den vergänglichen und schwankenden - das Wichtige
vom Unwichtigen - zu trennen. Sie sparen Zeit und Energie
und fühlen sich besser zentriert.
9. Lernen Sie, Ihr persönliches Tempo zu bestimmen! Versuchen
Sie, ausgewogen zu leben. Sie verfügen nur über eine
begrenzte Menge Energie. Stellen Sie fest, was Sie in ihrem
Leben wollen und brauchen und versuchen Sie dann, Arbeit mit
Spiel und Enrspannung in ein Gleichgewicht zu bringen.
10. Kümmern Sie sich um Ihren Körper! Lassen Sie keine
Mahlzeiten aus, quälen Sie sich nicht mit strengen Diäten,
geben Sie Ihrem Schlafbedürfnis nach, halten Sie Arzttermine
ein. Achten Sie auf gesunde Ernährung.
11. Versuchen Sie, sich so wenig wie möglich zu sorgen und zu
ängstigen! Begrenzen Sie Sorgen, die jeder vernünftigen
Grundlage entbehren, möglichst auf ein Minimum - sie
ändern nichts. Sie bekommen Ihre Situation besser in den
Griff, wenn Sie weniger Zeit mit Grübeln verbringen und
statt dessen mehr damit, sich um Ihre wirklichen Bedürf-
nisse zu kümmern.
12. Behalten Sie Ihren Sinn für Humor! Bringen Sie Momente der
Freude und des Glücks in Ihr Leben. Das sind die allerbesten
Mittel gegen Burnout.

3.3. weitere Möglichkeiten

Nicht allein sein können, einsam sein

- Knüpfen Sie alte, abgebrochene Kontakte zu Menschen!
- Bemühen Sie sich um Beziehungen zu Menschen außerhalb ihres
Gebietes oder Ihrer Interessen!
- Pflegen Sie Ihre derzeitigen Beziehungen!
- Welche Interessen oder Hobbies haben Sie? Bauen Sie sie aus!
- Umsorgen Sie sich selbst und machen Sie es sich gemütlich!
- Richten Sie Ihre Wohnung gemütlich ein! Richten Sie einen
oder alle Räume so her, wie Sie sich ein Zuhause wünschen!
- Erfüllen Sie sich Ihre Träume!

Führen Sie ein Burnout-Tagebuch!

Ein Tagebuch hat einen dreifachen Zweck:
a) Sie können Ihr Inneres aus einer sicheren Position
erforschen.
b) Sie können Ihre Ziele und Ambitionen entdecken.
c) Sie können Ihre tiefsten Geheimnisse ohne Hemmungen
aussprechen.
Durch das Aufschreiben wird häufig die Verleugnung durch-
brochen. Wut, Ängste, Eifersucht, Neid, Kümmernisse und
Sehnsüchte sowie Bestrebungen, Pläne und langfristige
Ziele können sie in ihrem Tagebuch durchdenken.

Denken Sie über die folgenden Fragen nach!

1. Was ist in Ihrem Leben konkret und stabil?
2. Was fehlt in diesem Bild?
3. Blocken Sie Abhängigkeitswünsche ab? Welche?
4. Möchten Sie einen männlichen oder weiblichen Lebenspartner haben?
5. Haben Sie unerfüllte Ansprüche an einen Partner?
6. Wollen Sie wirklich mit jemandem zusammenleben, oder wünschen Sie zwar Intimität, vermuten aber allmählich, daß Sie allein glücklicher sind?
7. Was "geben" Sie für eine Beziehung gewöhnlich "auf"?
8. Was ärgerte Sie an den Liebhabern, die Sie hatten?
9. Haben Sie Angst vor Nähe, weil Sie zum "Verschmelzen" neigen?
10. Spüren Sie Eifersucht, Neid, Wut Konkurrenz, wenn Sie eine Beziehung haben?
11. Was lößt diese Gefühle aus?
12. Welche Themen vermeiden Sie in Gesellschaft? Gibt es Themen, vor denen Sie wegen der Sehnsüchte, die sie auslösen, zurückschrecken?
13. Möchten Sie ein Kind? Verleugnen Sie diesen Wunsch, weil ein Kind Ihre Karriere stören würde? Oder unterdrücken Sie ihn, weil Sie niemanden haben?
14. Gehen Sie Sex aus dem Weg? Oder geben Sie sich oft hin, und fühlen sich danach aber leer?
15. Benutzen Sie Ihre Arbeit, um Nähe zu vermeiden?
16. Stellen Sie Ihre Partnersuche zurück, bis Sie genügend abgenommen haben?
17. Haben Sie die ganze Sucherei so satt, daß Sie sie lassen?
18. Haben Sie die Männer, mit denen Sie sich getroffen haben, Sie geängstigt oder abgestoßen?
19. Haben Sie Freunde, mit denen Sie sich regelmäßig und vertraulich unterhalten?
20. Sind Ihre Freunde Bekannte oder Vertraute?
21. Gehen Sie ungern nach Hause, weil Sie sich dort einsam fühlen? Wie könnten Sie die Wohnung für Sie gemütlich machen?
22. Haben Sie Menschen und Ideen aus Ihrem Umfeld ausgeschlossen, die anders sind?
23. Haben Sie anderen erzählt, daß Sie einen Partner kennenlernen möchten?
24. Ist Ihre Arbeit so befriedigend, wie Sie glauben, oder träumen Sie von einer anderen, die Ihnen mehr entspräche?
25. Verdienen Sie genug, um Ihre Bedürfnisse zu befriedigen?
26. Trinken Sie zur Zeit mehr als sonst? Warum? Wann? Haben Sie Katererscheinungen, die Ihnen Energie rauben?
27. Nehmen Sie Drogen - Aufputschmittel, Beruhigungsmittel, Kokain, Haschisch-, um Ihre Stimmung zu manipulieren? Warum? Wann?
28. Werden Sie immer mehr zur "Einsiedlerin"?
29. Kümmern Sie sich um Ihre körperliche Gesundheit?
30. Wie könnten Sie Ihr Leben einrichten, so daß Sie schließlich "etwas von allem" bekommen können?
31. Wenn Sie aufgrund von Problemen ausbrennen, die in Konflikt mit Ihren Werten und Bedürfnissen stehen, dann stellen Sie sich die wichtigste Frage überhaupt:
"WESSEN LEBEN IST ES?"

4. Literaturverzeichnis

(1) Herbert Freudenberger/Gail North: Burn-out bei Frauen. Über das Gefühl des Ausgebranntseins. Frankfurt a.M.: S. Fischer Verlag GmbH 1992




 

Dritter Altenbericht


Altenversorgung im Wandel - Krankenpflege & Altenpflege im Wandel


Altenpflege & Krankenpflege im geschichtlichen Kontext


Vergleich von Ausbildungsschwerpunkten der Altenpflege und Krankenpflege


Operationalisierungsvorschläge des Pflegebegriffs professioneller Altenpflege & Krankenpflege.


Warum der Anspruch einer "ganzheitlichen Pflege" für die Altenpflege- und Krankenpflegepraxis obsolet ist?


Was Altenpflege und Krankenpflege unter den Begriffen Funktionspflege, Bezugspflege, Bereichspflege verstehen?


Geschichtlicher Hintergrund der Begriffsspaltung und Folgen für die Berufspraxis der Krankenpflege und Altenpflege


Beziehungsgestaltung in Altenpflege und Krankenpflege