Alter ist keine Krankheit. Das Alter zeigt aber eine verstärkte
Beziehung zu Krankheit, denn eine verringerte
Anpassungs- und Widerstandsfähigkeit des älteren
Organismus erhöht das Erkrankungsrisiko.
Senioren leiden meist nicht nur an einer Krankheit, sondern an
mehreren Krankheiten gleichzeitig. In der Altersmedizin spricht man
von Multimorbidität oder Polypathie.
Meist leiden ältere Menschen an einer Krankheit bis an ihr Lebensende, denn
Krankheit im Alter zeichnet sich durch eine Tendenz zum chronischen Verlauf
aus. Krankheit im Alter ist in der Regel
behandlungsbedürftig.
Je ausgeprägter die Multimorbidität bei älteren Menschen ist,
desto wahrscheinlicher wird zusätzlich das Auftreten einer akuten Krankheit,
da akute Krankheit sich häufig einer
chronischen Erkrankung aufpfropft. Darüberhinaus beeinflussen
einzelne chronische Krankheiten einander negativ (Beispiel: hoher
Blutdruck, Zuckerkrankheit und Fettstoffwechselstörung).
In der Berliner Altersstudie wurden bei 96 Prozent der
70jährigen und älteren Senioren mindestens eine Krankheit
und bei 30 Prozent fünf und mehr internistische, neurologische
oder orthopädische behandlungsbedürftige Erkrankungen
diagnostiziert. Siehe hierzu auch:
Krankheit und
Multimorbidität im Alter
Krankheit im Alter verläuft symptomärmer, zeigt
häufig atypische Krankheitsbilder mit verlängerten
Rekonvaleszenzzeiten, erhöhte Komplikationshäufigkeit
und erhöhte Infektanfälligkeit der betroffenen
Senioren.
Auch wenn eine festgestellte Krankheit medizinisch behandelt wird,
heißt dies nicht, dass sich die betroffene Person "krank"
fühlt. Eine objektivierbare Krankheit (hoher
Blutdruck, Fettstoffwechselstörungen, Zuckerkrankheit usw.) mag
Behandlungsbedarf nach sich ziehen, dennoch aber keine oder nur geringe
subjektive Beschwerden aufweisen. Deshalb ist "Krankheit"
in diesem Sinne beim älteren Menschen keineswegs gleichbedeutend mit "krank
sein". Eine Vielzahl älterer Patienten bewältigt auch bei
schwerer Krankheit ihren Alltag sehr gut. Andererseits kann
eine einzelne Krankheit (z. B. Schlaganfall) bereits zu erheblichen
Funktionseinbußen führen.
Chronische Krankheit bedeutet für Senioren nicht
zwangsläufig Verzicht auf ein selbstständiges,
selbstverantwortliches und sinnerfülltes Leben.
Ergebnisse der Berliner Altersstudie zeigen, dass körperliche
und psychische Krankheit nicht zwangsläufig Alltagskompetenzen beeinträchtigen.
Siehe hierzu auch:
Kompetenzen
älterer Menschen
Jedoch bedeutet chronische Krankheit für Senioren, dass
betreute Pflege-Einrichtungen an Bedeutung gewinnen.